Kaiserwalzer

Jürgen Rose kauft Lederhosen und sucht Wiesenblumen: Der legendäre Bühnenbildner stattet für Stuttgart das alte «Mayerling»-Ballett von Kenneth MacMillan neu aus.

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Der Mond über den russischen Birkenwäldern von «Onegin», der helle Sonnenhut der «Kameliendame», der blaue Baldachin, in dem König Ludwig in «Illusionen wie Schwanensee» ertrinkt: ikonische Motive, ohne die viele Lieblingsballette der Deutschen nicht denkbar sind. Jürgen Rose hat sie erfunden, er stattete die berühmten Abendfüller von John Cranko und John Neumeier aus, die auch in Paris, London oder Moskau zu Klassikern geworden sind. Der heute 81-jährige Bühnen- und Kostümbildner ist eine lebende Legende.

Balletttänzer lieben ihn, weil sie in seinen Kostümen nicht nur hinreißend aussehen, sondern tatsächlich zu den Figuren heranwachsen, die sie verkörpern. Um die 300 Ausstattungen hat Rose entworfen, mit genauso großem Erfolg in Schauspiel und Oper – von Kurt Hübner über Rudolf Noelte und August Everding bis zu Götz Friedrich arbeitete er praktisch nur mit den großen Theaterleuten, jahrzehntelang stattete er Dieter Dorns Inszenierungen an den Münchner Kammerspielen aus. Auf eine bestimmte Optik, eine «Masche» hat sich der Detailfanatiker dabei nie kapriziert, seine Fantasie reichte von rauschhaften Farborgien bis zum kargen, durchscheinenden Minimalismus.  

Bis zum Hals in der ...

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Tanz Mai 2019
Rubrik: Traditionen, Seite 54
von Angela Reinhardt

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