Jeroen Verbruggen: Immer immersiver
Mir persönlich ist es als Künstler wichtig, bei jedem schöpferischen Prozess möglichst viele schwierige Fragen aufzuwerfen, die meine Kreativität herausfordern. Das ist unerlässlich, wenn man sich persönlich weiterentwickeln will. Genauso unerlässlich ist es aber auch für die Fortentwicklung der Kunst als solche. Tradition und Geschichte sind für mich beides inspirierende Themen, mit denen ich mich auseinandersetze.
Da ich bei meinen choreografischen Aktivitäten nicht selten an traditionelle Theaterräume gebunden bin, stelle ich mir meine Fragen seit einiger Zeit weniger aus der Innen-, sondern vielmehr aus der Außenperspektive, vom Standpunkt des Publikums her.
Mir ist klar, dass die Öffentlichkeit zunehmend hungriger wird, was Partizipation betrifft. Selbst seitens der Marketing-Abteilungen wird den Neugierigen inzwischen angeboten, ein bisschen Backstage-Luft zu schnuppern, Proben oder Kreativprozesse per Livestream zu verfolgen oder Tänzerinnen und Tänzer via Social Media quasi live durch deren Alltag zu begleiten. Eine schöne Möglichkeit, die so elitäre Kunstform Tanz breiteren Publikumsschichten näher zu bringen, ohne Frage. Aber – und man mag mich jetzt altmodisch nennen –, ...
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Tanz Jahrbuch 2017
Rubrik: Raum für Visionen, Seite 128
von Jeroen Verbruggen
Der Begriff «Utopie» ist eng an das Konzept des Idealen geknüpft. Irgendein Ort, irgendein Zustand, irgendein menschliches Abenteuer, so perfekt und harmonisch erdacht, dass es in der Wirklichkeit unmöglich eingelöst werden kann. Und doch sehnt sich der Mensch unweigerlich danach. Die antiken Philosophen Griechenlands nannten das Ananke – «inneres Bedürfnis»,...
«To imagine the future is a political practice», schreibt die Feministin Laurie Penny auf der Netzplattform «The Baffler». Die Zukunft zu imaginieren, steht gerade auch im Zentrum unserer künstlerischen Arbeit im Theater. Im Theater erproben wir das Leben, die Welt. Die Bühne ist ein Raum zum Experimentieren und Imaginieren, zum Ausloten anderer Lebensmodelle und...
Warum gehören Cecilia Bengolea und François Chaignaud hierher, die doch frech alles an Tanzstilen zusammenrühren, was auf Straßen und in Clubs nicht bei drei in der Versenkung verschwunden ist? Genau deshalb, weil das im französischen Lyon beheimatete Choreografenduo einfallsreich durcheinander mixt, was scheinbar gar nicht zusammengehören kann – und weil die...
