Monte Carlo 1890-190. Foto: Library of Congress
Monte Carlo
Nimmt man von Nizza kommend die Küstenstraße, wo das zunächst hinter Hügeln verborgene Mittelmeer uns unvermittelt mit seiner Verführungskunst blendet, muss man beim Anblick des wie eine vorgelagerte Festung aus dem Wasser aufragenden, vom Fürstenpalast beherrschten Felsens erst einmal die Augen schließen.
Vom Monaco Diaghilews und seiner Ballets russes ist nichts mehr geblieben in dieser Favela aus Beton, wo die Gebäude sich in dem begrenzten Raum, den das Gebirge ihnen an seinen Ausläufern lässt, dicht an dicht zusammendrängen, auch noch den letzten Quadratmeter besetzen, ihre Nachbarn zu übertrumpfen suchen, um vom obersten Balkon einen Blick auf das Meer zu erhaschen, bevor sie selbst von den noch mächtigeren, noch luxuriöseren ausgestochen werden. Bis hin zu dem Wolkenkratzer, der alles andere in den Schatten stellt, die Tour Odéon, die mit ihrer gewaltigen Glasfront die Stadt unter sich begräbt und mit einem 3300 Quadratmeter großen Miniatursee für das teuerste Penthouse der Welt dem Meer selbst Konkurrenz machen will.
Inmitten dieser umzingelten, verzwergten Ungetüme, von denen so manche nie wieder das Licht der Sonne sehen werden, entdeckt man bei einem Streifzug durch die ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von tanz? Loggen Sie sich hier ein
- Alle tanz-Artikel online lesen
- Zugang zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von tanz
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Tanz Jahrbuch 2017
Rubrik: Mythische Orte, Seite 16
von Jean Rouaud
Immer noch entwickelt sich das klassische Ballett weiter und entdeckt für sich neue Formen. Es ist die elaborierteste, die gehobenste Tanzform schlechthin. Man sieht Tänzerinnen und Tänzer, die Dinge bewerkstelligen, die sonst kein normaler Erdenmensch hinbekommen würde, und nicht selten blitzt ein göttlicher Funke auf. Aber beim klassischen Ballett geht es nicht...
Die Linie, die Diagonale, die Kurve, der Winkel. Deren Kraft und Poesie betont der italienische Choreograf. Reichert sie an, indem er Körper wie kantige Gebilde in das Geflecht der Linien stößt oder mit sanftem Pulsen deren Richtungsdrängen hemmt. Dabei gibt er Zeit: Die Reihen seitlich gelagerter, skulptural arrangierter Tänzer und Tänzerinnen, mit denen sein in...
Aller guten Dinge sind drei: Nach 2008 und 2011 wird Sidi Larbi Cherkaoui abermals «Choreograf des Jahres». Dass er es irgendwann noch ein viertes Mal schafft, darf man mit Fug und Recht annehmen. Kein Choreograf ist derzeit weltweit so präsent wie der Belgier aus flämisch-marokkanischem Elternhaus. In seiner Geburtsstadt Antwerpen steht er heute sowohl der selbst...
