John Neumeier: "Parzival - Episoden und Echo"
John Adams, weder Meuterer der Bounty, noch einer der ersten US-Präsidenten, sondern der lebendige amerikanische Komponist, ist ein Glücksfall für John Neumeier. Adams macht die Bewegungen eckig, Adams zwingt zur Rhythmik, Adams hilft gegen allzu elegisches Handlungsballett.
John Neumeier wollte als Kommentar zu seinem wieder aufgenommenen «Artus» von 1982 ran an Richard Wagner und dessen «Parsifal».
Aber John Adams’ politisch motivierte Musik passt besser als Wagner: zu diesem tumben Ritter Parzival, der an König Artus Hof auf der Suche nach dem Gral auf die schiefe Bahn der Sinnsuche gerät. Kollegen wie Thomas Hauert oder Kevin O'Day bedienen sich des Komponisten gern. Und Peter Sellars inszenierte die Adams-Opern «Nixon in China» oder «The Death of Klinghoffer» als genau das, was diese Musik bewegt: als politisch grundierten Vorgang.
Sahen wir richtig? John Neumeier wollte in der von ihm seit 2002 mit Uraufführungen betreuten Zweitkirche im Festspielhaus Baden-Baden zur Kommunion seiner neuen Werke einen politischen Akt entdecken? Parzival, der von der Mutter von Krieg, Gewalt und fremden Einflüssen so mühsam Ferngehaltene, wird ein umso gewissensärmerer Tor: Wer nur für den ...
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