Glory Days

Was macht ein Amerikaner in Berlin? Er dreht sich im Kreis.Oder Jeremy Wade feiert Thanksgiving. Beim Streifzug durch Berliner Geschäfte erbeutete er zwar statt eines Truthahns ein Schwein, das aber wurde liebevoll mit Früchten und Cranberry-Sauce dekoriert. Ein üppiges Festmahl als Dank an seine Tänzer.

Tanz - Logo

Feed a dancer

«Feed» nennt Jeremy Wade sein Solo, das er in der Berliner tanzfabrik uraufgeführt hat. Das Solo mutet an wie ein durchgeknallter Live-Comic-Strip. Der Tänzer im schwarzen Slip verwandelt sich sekundenschnell. Er wird zum niedlichen Hündchen, zur verzweifelten Kreatur. Dazu läuft eine verzerrte Version des Hits «Nothing compares 2 you». Ein Tanz der durchdrehenden Synapsen. Ein Körper, von Triebregungen und Empfindungen durchpulst, verzehrt sich in einem schmerzhaften Mangel.

«‹Feed› basiert auf dem Konzept der ‹Wunschmaschine› von Deleuze und Guattari», sagt Wade. «Es geht um Hunger und ein sexuelles Verlangen, das nie gestillt werden kann.» Also beschwört das Solo dunkle Sexualität, irrwitzige Komik und eine ekstatische Energie. 


Nothing compares 2 you

Kaum zu fassen: Im kleinen Studio in einem Kreuzberger Hinterhof steht der Bessie-Award-Gewinner des Jahres 2006 auf der Bühne. Als Wade von der Nominierung erfuhr, war er gerade nach Berlin gezogen. Ein spontaner Entschluss. Zukunftspläne hatte er keine, außer: sich an seine erste Gruppenchoreografie zu machen. 5000 Euro Vorschuss steuerte das Utrechter Springdance Festival bei. Berlin erinnere ihn an das New York ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von tanz? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle tanz-Artikel online lesen
  • Zugang zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von tanz

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Tanz Januar 2007
Rubrik: Welcome to Berlin, Seite 18
von Sandra Luzina

Vergriffen
Weitere Beiträge
Kathryn Bennetts

Kathryn Bennetts könnte mit sich und der Welt ganz zufrieden sein. Die Leserschaft von Dance Europe hält das Koninklijk Ballet van Vlaanderen für das beste Ballett. In Montpellier und Edinburgh feier­­­­te die Truppe Triumphe. Die Einla­dun­­gen häufen sich. Wenn es sich machen ließe, ständen in der nächsten Spielzeit Sydney, Singapur, Hongkong, Neuseeland,...

Paul Johnson

Paul Johnson called one of his earliest works “Useful Information for Potential Basketball Referees.” Now the former dancer and choreographer is in the middle of opposing sides as the director of the new DanceHouse in Dublin. Managed by Dance Ireland (formerly the Association of Professional Dancers in Ireland) and located in Dublin’s north inner city the centre’s...

Was schreibt die Geste?

Auch im Tanz geht es immer häufiger darum, Erwartungen zu enttäuschen und Laborsituationen zu schaffen, die das Publikum herausfordern und verunsichern. Wenn diese Tendenz in William Forsythes Arbeit verstärkt wahrzunehmen ist, seit der institutionelle Rahmen des Ballett Frankfurt weggekürzt wurde, erscheint es, als wäre das neuerliche Experimentieren wie ein...