john neumeier: einspruch, herr putin!
Es gibt Missstände, die den Tanz mittelbar ins Mark treffen, und trotzdem herrscht flächendeckend: Schweigen im Wald. Wenn irgendwo der Zaster fehlt, die Sparte unter Beschuss gerät – stehen die Tanzschaffenden garantiert auf der Matte. Dann geht es ja ums hehre Ziel: die Freiheit, die Autonomie, den Reichtum der Kunst! Ganz anders sieht die Sache aus, sobald Skandale hochkochen, die eine politische Antwort erfordern – politisch im Sinn einer öffentlichen Positionierung.
Haben etwa die deutschen Tanz-Hochschulen und -Internate reagiert, als die Serie von Missbrauchsfällen – von der Odenwaldschule bis zum katholischen Canisius-Kolleg – ruchbar wurde? Haben sie erklärt: Wir verfügen über eine Präventionsagenda, ein Krisenmanagement, Ombudsmänner und -frauen? Haben sie Problembewusstsein erkennen lassen, da sie doch regelhaft mit minderjährigen Schutzbefohlenen arbeiten, ja ganz dezidiert: mit deren Körpern? Die gedankliche Transferleistung, dass das Missbrauchsthema auch für die Tanzausbildung Fragen aufwirft, ist scheinbar zu viel verlangt – obwohl der Zusammenhang geradezu auf der Hand liegt.
Ein anderes, nicht minder erschreckendes Szenario spielt sich derzeit in Russland ab, und ...
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Tanz November 2013
Rubrik: menschen, Seite 32
von Dorion Weickmann
Ein Mann liest seelenruhig ein Buch, während vor ihm eine Frau fast ertrinkt. Doch ist das überhaupt eine Frau? Die langen, knallroten Haare weisen sie eher als Fantasiewesen aus, vielleicht eine Nixe, deren Fuchteln und Wirbeln möglicherweise nicht dem Schrecken vor dem Wasser entspringt, sondern dem Aufbegehren gegen das Landen. Wie soll sie jetzt atmen? Gehen?...
newcomer_________
michaela deprince
erfüllt sich in jüngster Zeit Traum um Traum. Erst als Tänzerin im Doku-Film «First Position» (tanz 6/13), dann seit Beginn dieser Spielzeit als Mitglied der Juniorkompanie des Niederländischen Nationalballetts. «Mein ganzes Leben habe ich davon geträumt, in einer der klassischen Top-Kompanien der Welt zu tanzen. Es schien...
Nach einjähriger Vorbereitungszeit geht Ingrid Lorentzen in die Vollen: Ein Blick zurück soll es sein und zugleich einer nach vorne, und dieser Kraftakt kennzeichnet ihre erste richtige Spielzeit als Direktorin des Nasjonal Balletten in Oslo: Gleich fünf Uraufführungen zu Anfang untermauern den Anspruch, auch international ein Zeichen des Aufbruchs zu setzen,...
