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Johann Kresnik: Traut euch was

Wie sieht der Tanz der Zukunft aus und wo findet er statt? 16 Statements

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Wir kennen die 67er-, 68er-Bewegung, wir kennen die Entwicklung zur RAF. Ich war sozialistisch-kommunistisch in Österreich erzogen worden, war in Köln in der marxistischen Bewegung, habe Ernst Bloch kennengelernt. Und ich habe, als Tänzer, mit George Balanchine, mit John Cranko, mit Maurice Béjart, mit Agnes de Mille, diesen großen Choreografen gearbeitet.

Ich hatte da nur ein paar Fragen an sie: Warum gibt es kein anderes Thema, immer nur neoklassischen Tanz, «Schwanensee», «Coppélia» und all das? Ich war politisch interessiert und fragte: Warum schleppe ich als Mann eine Frau diagonal über die Bühne und setze sie wieder ab? Warum? Balanchine sagte zu mir: «Weil ich die Musik erweitern will.» Als Tänzer hatten wir die Möglichkeit, am Sonntagnachmittag eine eigene Choreografie zu erarbeiten.

So machte ich mein erstes Stück wegen Leo Navratil, der in Gugging lebte. Es gibt dort eine Heilanstalt. Navratil hat bei den Schizophrenen und den Kranken Bilder und Texte gesammelt. Ich fragte ihn: Schick mir doch ein paar Texte von deinen Patienten. Er hat sie mir geschickt, und ich machte ein Stück daraus, es hieß «O Sela Pei». Alle Kritiker rätselten am Titel herum. Dabei ist es ein ...

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Tanz Jahrbuch 2017
Rubrik: Raum für Visionen, Seite 109
von Johann Kresnik

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