Foto: Andreas Merk

Marlene Monteiro Freitas

30 Tanzkünstler mit den besten Aussichten

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Marlene Monteiro Freitas verbindet das Groteske mit dem Karnevalesken. Ihre überbordenden Performances feiern die Fülle, die Vielgestaltigkeit und Vieldeutigkeit. Die Performance «Jaguar», die sie zusammen mit dem deutschen Tänzer Andreas Merk erarbeitet hat, ist ein Abend der ausufernden Imagination. Eine geschmeidige Raubkatze kommt zwar nicht vor, dafür aber ein farbiges Pferd aus Pappmaché – ein Verweis auf die Künstlergruppe Blauer Reiter. Das ist nicht die einzige Referenz bei dieser furiosen Performance.

Die Choreografin, die schon mit dem Gruppenstück «Of Ivory and Flesh – Statues also suffer» auf sich aufmerksam gemacht hat, ließ sich auch von der Musik Strawinskys und Schönbergs, den Geschichten E. T. A. Hoffmanns und den Werken Adolf Wölflis inspirieren – und vom Karneval ihrer Heimat Kap Verde.

Das alles verarbeitet sie zu einem Parforceritt: Marlene Monteiro Freitas und Andreas Merk hüpfen in weißem Tennis-Dress und mit grellrot überschminkten Mündern und bronzegetönten Beinen über die Bühne. Das Match, die Jagd, die Show – alles überlagert sich hier. Mit dem Schweißtuch über der Schulter bewegen sich die beiden Sportskanonen anfangs zu karibischen Rhythmen und muten dabei wie mechanische Puppen an. Die beiden sind Komplizen, wiewohl man nicht weiß, wer hier eigentlich die Strippen zieht. Freitas nimmt in «Jaguar» aber auch unsere Vorstellungen vom Wilden, Triebhaften aufs Korn – und arbeitet sich dabei an der Tanzgeschichte ab. Zu den Klängen von Strawinskys «Le Sacre du printemps» rubbelt sie sich mit dem Handtuch zwischen den Beinen und verbindet das Zittern des Opfers mit dem sexuellen Schauder.

Eine zügellose Fantasie ist das Charakteristische an «Jaguar». Man sollte erst gar nicht versuchen, die Bilder mit ihren zahlreichen Verweisen zu entziffern, sondern sich lieber lustvoll den eigenen, wild ins Kraut schießenden Assoziationen überlassen. Zumal Freitas und Merk fantastische Performer sind, die mit einer frappierenden Elastizität des gestischen und mimischen Ausdrucks begeistern.



Tanz Jahrbuch 2017
Rubrik: Hoffnungsträger, Seite 180
von Sandra Luzina

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