Foto: Elena Anna Rieser
Colette Sadler: Widerstand neu denken
So lange sich Kunst – in unserem Fall Tanz und Performance – an jemanden richten soll, lebt sie in der Beziehung zu einem Anderen, der oder die erst die Intention des Kunstwerks vervollständigt. Die gegenwärtige Theater-Szene behauptet sich noch immer als ein Ort, wo Kommunikation, zumindest überwiegend, noch möglich ist.
Welche alternativen Narrative oder Bilder können also Tanz und Performance bieten?
Tanz ist eine verkörperte Kunstform und als solche ein Ort, wo Macht und Handlungsfähigkeit von Körpern Widerstand leisten, ausgespielt werden und neu etabliert werden können. Ein Ort, an dem der Verachtung des Andersartigen widerstanden wird und an dem neue Formen der menschlichen wie der nicht-menschlichen Subjektivität ausgestellt und artikuliert werden. Ein Ort, wo Auffassungen vom Menschlichen und von Handlungsfähigkeit verhandelt werden können. Für mich ragen zwei Figuren aus diesem Diskurs heraus: das Monster (das Abjekt, der ausgegrenzte Körper) und das Post-Humane.
Der monströse Körper ist durchlässig. Er res-pektiert keine Grenzen, Ordnungen und Systeme. Er stört Identität. Bezieht man das Monster bzw. Repräsentationen des Monströsen ein, gewährt man dem Außen Eingang ins ...
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Tanz Jahrbuch 2017
Rubrik: Raum für Visionen, Seite 124
von Colette Sadler
Still und leise, sanft und diskret hat er sich in die internationale Szene vorgearbeitet. Überraschende Eigenschaften, besonders wenn man sich anschaut, was der Portugiese Jahrgang 1986 so auf der Bühne anstellt. Sein Stück «Brother» (2017) beispielsweise kann man auf zwei Ebenen lesen: einmal, oberflächlich und spontan betrachtet, als Patchwork mit Bezügen, die...
Frauen sagen, wenn Frauen alt werden, werden sie Kuh oder Ziege, werden Schwergewicht oder Gerippe. Die Dicken, also die Kühe, heißt es, tragen ihre Bürde selbstverschuldet durch Völlerei und Faulheit. Die Dicken, sagen die Ärzte, leben nicht ganz so viele Tage. Die Industrie rückt dem Dicksein mit Fitnessarmband und Schlankheitspulver zu Leibe. Die Dünnen lässt...
Sie hätte Milena Jesenská verkörpern sollen, «ein lebendiges Feuer, wie ich es nie gesehen habe», so Franz Kafka einmal in einem Brief an Max Brod. Bekanntlich ist es zu dem «Kafka»-Ballett von Marco Goecke in Stuttgart nicht gekommen, und das ist schon deshalb bedauerlich, weil Jessica Fyfe so ganz und gar der Vorstellung Kafkas entspricht: Sie ist «äußerst zart,...
