Jörg Mannes: "Molière"

Hannover

Tanz - Logo

Barocker Paukenschlag verkündete den Start von Jörg Mannes und dem neuen Ballett-Ensemble an der Staatsoper Hannover. Wer bei «Molière» auf ein aufwändiges historisches Bilderspektakel hoffte, sah sich aber getäuscht. Der Komödienkönig tanzt in einem opaken Kunststoff-Ambiente, in der Lars Peter die Barockbühne mit Drehprismen zitiert. Auch die Kostüme in raffinierter Farbpallette von flieder bis lachsrot hat Lenka Radecky-Kupfer trans­parent auf originale Schnittlinien reduziert. Auf der Folie von Molières Wirken am Hof Ludwigs XIV.

, der Gründungszeit des klassischen Balletts, reflektiert der österreichische Choreograf nicht ohne Selbstironie über die  eigene Situation am Beginn mit seiner 28-köpfigen Gruppe. Im opulenten, sich in kühler Schönheit entfaltenden Bilderbogen beschäftigen Mannes also weniger Molières Lebensstationen als die Konstellationen in einem Theatermacherteam und die all­ge­meinere Problematik eines (Tanz-)Künstlers im Widerstreit von Tradition und Moderne, im Spannungsfeld von eigener Standortsuche und Publikumserwartung, von persönlichen Beziehungen und gesellschaftlichen Abhängigkeiten.

Klug wählte Mannes ein Sujet, das für den Zuschauer den abrupten Wechsel ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von tanz? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle tanz-Artikel online lesen
  • Zugang zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von tanz

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Tanz Dezember 2006
Rubrik: Der Kalender, Seite 34
von Klaus Witzeling

Vergriffen
Weitere Beiträge
The Battle of the Year

Für Menschen mit wenig Geld bietet das Wochenend-Ticket der Deutschen Bahn eine beliebte und kostengünstige Transportmöglichkeit. Man ist zwar länger unterwegs, dafür ist die Fahrt mit Regionalzügen ohne Sitzplatzreservierung quer durch Deutschland auch viel kommunikativer. Man lernt neue Leute kennen, beispielsweise solche, mit denen man die Leidenschaft für...

Maurice Béjart

Maurice Béjart kann vom Ballett nicht lassen

Wie in «Gaîté Parisienne», eins seiner erfolgreichsten Stücke, konzentriert er die ganze Kunst auf die Barre in der Bühnenmitte: Fixpunkt eines Tanzes, der ohne Technik, ohne Beherrschung des Körpers nie die Freiheit hätte, Béjarts Vorstellungen folgen zu lassen. Wie in vielen anderen Stücken fungiert Gil Roman,...

Wer war Veronika Blumstein?

Trisha Brown in München, Yvonne Rainer in Wien, Deborah Hay in Paris und Robert Rauschenbergs Werke gleich an mehreren Orten: die Postmoderne ist so präsent wie lang nicht mehr. Weil sich aber zeitgleich der Zeitgeist immer konservativer gebärdet, sind die Öffnung der Werkformen, der interdisziplinäre Charakter der Arbeit und die Sensibilisierung für den sozialen...