Jochen Ulrich lässt «Lorenzaccio» tanzen

Bielefeld, Linz

Tanz - Logo

In stetem Wandel begriffen scheint das Linzer Landestheater. Nach zeitgenössischem Tanz und neoklassizistischem Ballett hat es sich nun bei moderater Moderne eingependelt. Mit dem Intendanten Rainer Mennicken kamen Jochen Ulrich und ein Ensemble, in dem die Männer deutlich besser sind als sind die Frauen.

Die erste Uraufführung, Lorenzaccio nach der Vorlage von Alfred de Musset, erweist sich als großes Handlungsballett zeitgemäßen Zuschnitts, in dem Ulrich den Konflikt um Macht und Erotik auf den tyrannischen Herzog von Florenz und seinen Vetter Lorenzo de Medici, genannt Lorenzaccio, konfliktreich zuspitzt. Ulrich setzt auf die emotionale Antriebskraft seiner Bühnen-Charaktere. Vor allem im ersten Teil finden sich Bilder von inszenatorischem Reichtum, die an Ulrichs beste Arbeiten erinnern. Eine gewisse Diskrepanz herrscht zwischen dem  Bühnengeschehen und der Auftragsmusik des Komponisten Alexander Balanescu, der bei der Premiere mit dem Bruckner Orchester unter Ingo Ingensand auch die Solovioline spielt. Stark mit repetitiven, von einem elegisch-slawischem Grundton durchzogenen Material arbeitend, mutet Balanescus Entwurf mehr wie Filmmusik an, die retardierend wirkt, während ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von tanz? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle tanz-Artikel online lesen
  • Zugang zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von tanz

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Tanz Mai 2007
Rubrik: Der Kalender, Seite 52
von Andrea Amort

Vergriffen
Weitere Beiträge
In-Jung Jun: "Gift"

«Ich versuche, wie alle Philosophen, die Metaphysik zu vermeiden. Und ich merke, das Volk wird nervös, wenn es nicht bei Laune gehalten wird; es will, dass die Dinge einen Sinn ergeben. Himmelschreiende Berechnung!» Es spricht der König von Märchenland. Eine merkwürdige Majestät, beinahe eine Bühnenversion des Kleinen Königs aus dem TV-Sandmännchen. In seinem...

Mit knallhartem Witz

Warum einen Tanzkünstler würdigen, der nicht tanzt? Dem es nicht gelungen ist, wie er sagt, seine Idee für ein Tanzstück auf den Körper zu übertragen. Einen, der während eines 40-minütigen Solos auf einem Stuhl hockt und redet. Darüber, was er eigentlich wollte, aber nicht konnte.

Tarek Halaby ist sozusagen ein sozio-kultureller Jochen Roller. Indem er, immerhin,...

Wir sind alle Überlebende

Irland ist keine Insel (der Seligen) mehr, kein weißer Fleck auf der ökonomischen Landkarte. Irlands Tanzlandschaft hat ihren Farbtupfer in John Scott, dem Bilderstürmer an der Spitze des Irish Modern Dance Theater, das eine Art nationale Institution wurde. Und was macht Scott? Er hebt im Heiligtum jegliche Art von Hierarchie auf.
In «Close Ups» ließ er Überlebende...