Jo Strømgren: «Coppélia»
Der Brite David Levy prognostiziert in seinem neuen Buch «Love & Sex with Robots», dass wir uns im Jahr 2050 in Roboter verlieben und sie sogar heiraten werden. Nicht lange her, sagt er, da galten Roboter à la Coppélia als Bedrohung. Aber sie bauen längst nicht mehr nur Autos, sie saugen unsere Teppiche. «In japanischen Altenheimen», sagt er, «streicheln Roboter Bettlägerigen über den Arm, was sich nachweislich positiv auf das Wohlbefinden auswirkt. Als virtuelle Haustiere sind sie längst unsere Freunde.
» Das sahen Léo Delibes, Charles Nuitter und Arthur Saint-Léon im Jahr 1870 noch gruseliger. Die Maschinenpuppe Coppélia bedroht das Begehren, sie stört die Liebe von Frantz zu Swanilda. Coppélia, die Verführung des Künstlichen, der Fetisch, der auch Lara Croft oder Cat Woman heißen könnte, ist allgegenwärtig. Für Jo Strømgren, den norwegischen Choreografen, ist Coppélius, der Puppenbauer aus dem 19. Jahrhundert, auch kein Alchimist der Liebe mehr. Beinah selbst schon ein Roboter, produziert er für jedes Begehren die passende Puppe, steht am Fließband und arbeitet an der Nachfrage im Schweiße seines Brenners.
Strømgren hat, weil die Welt fortgeschritten ist, sehr recht, das Märchen ...
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