Marguerite Donlon: «Le sacre du printemps»
Es gibt nur eine Choreografie in der Tanzgeschichte, mit der man immer wieder Geschichte schreiben kann: «Le sacre du printemps», das berühmte Frühlingsopfer. Igor Strawinsky komponierte es in Lausanne, wo Ballets-Russes-Chef Serge Diaghilev sich 1915 mit dem Choreografen Léonide Massine direkt am See in die Villa Belle Rive einmietete. Man sprach über Kubismus, den Weltkrieg, die Negerplastik. Es ging um den ganzen «Hottentotismus» von der Archaik des Schlachtfelds bis zum Exotismus aus den Kolonien. Opfer auf allen Seiten. So entstand «Sacre».
Das Opfer war halb archaisch gemeint, halb als Opfer fürs Vaterland.
In allen Sprachen außer der deutschen gibt es einen Unterschied zwischen «victim» und «sacrifice», dem passiven Unglücksopfer und einer aktiv sich selbst Opfernden. Aoi Nakamura heißt sie in Saarbrücken. Sie tanzt: die völlige Bejahung der Hingabe.
Zum permanenten Ostinato des von Jonathan McPhee abgespeckten Strawinsky-Feuerwerks packt die Gruppe das nackte Entsetzen. Das Opfer entsteht aus restloser Hingabe. Aus Hingabe wird heilige Gewalt. Im letzten Akkord springen die Frauen entsetzt beiseite, die Männer kasteien sich. Die in Leipzig und Berlin ausgebildete Aoi ...
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Nita Little initiated and developed contact improvisation (CI) with Steve Paxton, Nancy Stark Smith and others. She travels throughout the US, Canada and Europe performing and
teaching. Her dance theater work includes a strong element of improvisation. Among others she received a Dance USA/National Endowment for the Arts, and National College Dance Initiative...
“She’d have been 126 years old today,” I thought, as my train passed fields and cities enshrouded by the winter dusk; an all consuming darkness, evoking perhaps the same kind of black despair that ultimately convinced Virginia Woolf to drown herself in the river Ouse in 1941. Mere speculation.
The fragment of an essay Woolf wrote sprang to mind as I travelled...
Ursula Cain ist die Grande Dame des Leipziger Tanzes. Die 80-Jährige war Solistin, wurde nach 1963 Ballettlehrerin und leitet noch heute die Amateurtanzgruppe Tanzkaleidoskop. Horst Dittmann, 64, bis 1979 Tänzer in Leipzig, schlug die Choreografenausbildung danach in den Wind, lernte erst Töpferei, wurde nach der Wende Porzellanhändler, dann Sozialbetreuer. Christa...
