Jiří Kylián
Irgendwann hat ein Tanztheoretiker über mein Werk geschrieben: «Über alle Grenzen hinweg!» Das hat mich sehr beeindruckt und fasziniert. Was er da geschrieben hat, ist jedoch vieldeutig und trifft wahrscheinlich auf alle Menschen zu, die das «Suchen» als ihren Modus Vivendi verstehen.
Heutzutage sind der Grenzgang und die unaufhaltbare Migration ungeheurer Menschenmassen ein riesiges geopolitisches Problem. Aber für kreative Menschen sind Grenzüberschreitungen eine Selbstverständlichkeit.
Ohne dass wir unentwegt Grenzen überschreiten, uns ständig auf dünnes Eis begeben, und ohne dass wir ununterbrochen neue Erfahrungen und Ausdrucksformen suchen – ohne all das gibt es keine Zukunft. Und keine Kunst.
Grenzen zu überschreiten, physisch oder imaginär, um Neues zu erfahren und zu entdecken, ist das Allerwichtigste, das uns gegeben ist ... Selbst wenn wir auf unserer Entdeckungsreise jenseits der Grenze die Schattenseite unseres Lebens entdecken.
So banal es klingt: Liebe und Tod spielten in meiner kreativen Fantasie immer eine wichtige Rolle. Durch ihre Gegenüberstellung, ihren Antagonismus, ihren Widerspruch erzeugen sie in mir Neugier und stimulieren meine Imagination. Und man muss ...
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Tanz Jahrbuch 2016
Rubrik: Choreografen: Zur Sache, Seite 12
von Jiri Kylian
Seine Heimatstadt Tsingtao am Gelben Meer im äußersten Osten Chinas war einst deutsche Kolonie. Ihren energiegeladenen, tanzfreudigen Sohn Wei schickten die Eltern auf die Beijing Dance Academy, wo er eine solide siebenjährige Ausbildung erhielt: klassischen und modernen Tanz, internationale Folklore. Danach tanzte er sieben Jahre im National Ballet of China:...
weiß genau, wann die Kunst Ernst macht. Mit treffsicherem Gespür für den Moment wird ein Hundewelpe auf die Bühne gebracht, einer der Protagonistinnen in den Arm gelegt, die ihn zärtlich krault und dem Publikum präsentiert, bevor er wieder weggetragen wird. Nach absurder Selbstbespiegelung und chaotischer Tänzelei ist die Welt wieder Ordnung, der Sinn wieder...
Holger Bergmann steht an einem Zaun. Der umfriedet ein Stück Nichts: platten Boden, feines Geröll. «Schreiben Sie das nicht», sagt der Leiter des Festivals «Favoriten» dem Häuflein Journalisten, das ihn umringt. Denn das Festival soll im Herbst 2016 an genau dieser Stelle in Dortmund steigen und ringsum im Unionsviertel – «wir werden hier ein Loch reinschneiden.»
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