Jiří Kylián
Irgendwann hat ein Tanztheoretiker über mein Werk geschrieben: «Über alle Grenzen hinweg!» Das hat mich sehr beeindruckt und fasziniert. Was er da geschrieben hat, ist jedoch vieldeutig und trifft wahrscheinlich auf alle Menschen zu, die das «Suchen» als ihren Modus Vivendi verstehen.
Heutzutage sind der Grenzgang und die unaufhaltbare Migration ungeheurer Menschenmassen ein riesiges geopolitisches Problem. Aber für kreative Menschen sind Grenzüberschreitungen eine Selbstverständlichkeit.
Ohne dass wir unentwegt Grenzen überschreiten, uns ständig auf dünnes Eis begeben, und ohne dass wir ununterbrochen neue Erfahrungen und Ausdrucksformen suchen – ohne all das gibt es keine Zukunft. Und keine Kunst.
Grenzen zu überschreiten, physisch oder imaginär, um Neues zu erfahren und zu entdecken, ist das Allerwichtigste, das uns gegeben ist ... Selbst wenn wir auf unserer Entdeckungsreise jenseits der Grenze die Schattenseite unseres Lebens entdecken.
So banal es klingt: Liebe und Tod spielten in meiner kreativen Fantasie immer eine wichtige Rolle. Durch ihre Gegenüberstellung, ihren Antagonismus, ihren Widerspruch erzeugen sie in mir Neugier und stimulieren meine Imagination. Und man muss ...
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Tanz Jahrbuch 2016
Rubrik: Choreografen: Zur Sache, Seite 12
von Jiri Kylian
Der Reisepass ist voll. Also ab zum Bürgeramt, um einen vorübergehenden Reisepass zu beantragen. Am Wochenende geht es für mich und Niels Storm Robitzky, meinen Mentor, auf einen Battle in Sankt Petersburg. Im Bürgeramt stehen Sicherheitskräfte am Info-Schalter. Etwa 30 Menschen warten in einer Schlange, obwohl das Amt erst in 20 Minuten öffnet. Grenzen zu...
hat ein hintergründiges, wissendes Lachen. Eben noch probte der 29-Jährige in Alexander Ekmans Choreografie «Cacti» mit Rebecca Horner an der Wiener Staatsoper, davor frischte er den Blockbuster «Don Quixote» auf. Seit 2007 ist er am Staatsballett Wien engagiert und tanzt viel Repertoire, aber auch Natalia Horecnas Kreation «Contra Clockwise Witness». «Ich bin...
Diese Künstlerin hat den Mut, die Getriebenheit und den Scharfblick, die in Zeiten wie diesen gebraucht werden. Elisabeth Bakambamba Tambwe, geboren 1971 in der kongolesischen Hauptstadt Kinshasa, ist seit 2007 Wienerin. Bis vor fünfzig Jahren hieß Kinshasa nach dem belgischen König Leopold II. noch Léopoldville. Der Herrscher hatte sich seinen «Freistaat Kongo»...
