Die Hoffnungsträger

Wei Wang

Seine Heimatstadt Tsingtao am Gelben Meer im äußersten Osten Chinas war einst deutsche Kolonie. Ihren energiegeladenen, tanzfreudigen Sohn Wei schickten die Eltern auf die Beijing Dance Academy, wo er eine solide siebenjährige Ausbildung erhielt: klassischen und modernen Tanz, internationale Folklore. Danach tanzte er sieben Jahre im National Ballet of China: Béjarts «Feuervogel», Crankos Lenski, in Balanchines «Serenade», Bauschs «Sacre». 2008 wurde er zum Solisten, 2010 vom Kultusministerium zum Nachwuchstänzer des Jahres ernannt.

Tourneen führten ihn an die Opéra Paris, nach Covent Garden, Australien, in die USA. Eine erfolgreiche Karriere. Dennoch wechselte er 2013 ans Staatsballett Berlin, das in China einen großen Namen hat. Er wollte, sagt er, Ballett nicht mehr nur second hand lernen. Dafür ging er zurück in eine Gruppenposition, nahm den Kulturschock auf sich, litt ein halbes Jahr unter Sprachlosigkeit: als einziger Chinese in der Truppe, ohne Englischkenntnis.

Er mag gleichermaßen Klassik und Moderne, erzählt er. Intendant Nacho Duato besetzt ihn seither gern, in «Herrumbre», der Uraufführung «Static Time» und, bisher größter Part, in «Castrati» als jungen Novizen, der ...

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Tanz Jahrbuch 2016
Rubrik: Die Saison 2015/16, Seite 176
von Volkmar Draeger

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