Die Hoffnungsträger

Elina Pirinen

weiß genau, wann die Kunst Ernst macht. Mit treffsicherem Gespür für den Moment wird ein Hundewelpe auf die Bühne gebracht, einer der Protagonistinnen in den Arm gelegt, die ihn zärtlich krault und dem Publikum präsentiert, bevor er wieder weggetragen wird. Nach absurder Selbstbespiegelung und chaotischer Tänzelei ist die Welt wieder Ordnung, der Sinn wieder hergestellt.



Ganz offensichtlich hat die finnische Choreografin und Tänzerin ihr Stück «Personal Symphonic Moment» zusammen mit ihren Mitstreiterinnen Kati Korosuo und Katja Sallinen mit weiblichem Blick aus sehr persönlichen Momenten und Eigenheiten entwickelt.

Doch wie sie Blödeleien und naive bis obszöne Albernheiten geradezu ekstatisch deklinieren lässt, sodass am Ende beim Publikum nur noch ein schallendes Lachen über die Absurdität alles Menschlichen steht, ist schlichtweg hinreißend.

Ohne die Musik zu veralbern, antwortet Pirinens Choreografie auf das anschwellende Crescendo von Dmitri Schostakowitschs «Leningrader Symphonie» mit zunehmend wahnhafter Verstrickung in alltägliche Verrichtungen. Das Ringen mit einer gegen sich selbst gerichteten Tyrannei wird ihr zum politischen Anliegen. In Finnland 2014 mit dem Kritikerpreis ...

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Tanz Jahrbuch 2016
Rubrik: Die Saison 2015/16, Seite 168
von Irmela Kästner

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