Die Hoffnungsträger

Elina Pirinen

weiß genau, wann die Kunst Ernst macht. Mit treffsicherem Gespür für den Moment wird ein Hundewelpe auf die Bühne gebracht, einer der Protagonistinnen in den Arm gelegt, die ihn zärtlich krault und dem Publikum präsentiert, bevor er wieder weggetragen wird. Nach absurder Selbstbespiegelung und chaotischer Tänzelei ist die Welt wieder Ordnung, der Sinn wieder hergestellt.



Ganz offensichtlich hat die finnische Choreografin und Tänzerin ihr Stück «Personal Symphonic Moment» zusammen mit ihren Mitstreiterinnen Kati Korosuo und Katja Sallinen mit weiblichem Blick aus sehr persönlichen Momenten und Eigenheiten entwickelt.

Doch wie sie Blödeleien und naive bis obszöne Albernheiten geradezu ekstatisch deklinieren lässt, sodass am Ende beim Publikum nur noch ein schallendes Lachen über die Absurdität alles Menschlichen steht, ist schlichtweg hinreißend.

Ohne die Musik zu veralbern, antwortet Pirinens Choreografie auf das anschwellende Crescendo von Dmitri Schostakowitschs «Leningrader Symphonie» mit zunehmend wahnhafter Verstrickung in alltägliche Verrichtungen. Das Ringen mit einer gegen sich selbst gerichteten Tyrannei wird ihr zum politischen Anliegen. In Finnland 2014 mit dem Kritikerpreis ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von tanz? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle tanz-Artikel online lesen
  • Zugang zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von tanz

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Tanz Jahrbuch 2016
Rubrik: Die Saison 2015/16, Seite 168
von Irmela Kästner

Weitere Beiträge
Feier des Primitiven

Dem Tanz haftet – vielleicht wie keiner anderen Kunstform – der Nimbus einer universellen Sprache an. Grenzüberschreitend soll er die Menschheit verbinden und – so die Mission des Welttanztages der UNESCO – zum Weltfrieden führen. Der 29. April dient alljährlich dazu, «alle Formen des Tanzes an diesem Tag zu vereinen, den Tanz zu feiern, seine Globalität...

Raimund Hoghe

Grenzgänger. Zum Beispiel Yaguine Koita und Fodé Tounkara, 14 und 15 Jahre alt, geboren in Guinea, im Sommer 1999 umgekommen bei dem Versuch, als blinde Passagiere im Fahrwerk eines Flugzeugs nach Europa zu gelangen. Bei sich hatten die beiden Jungen aus Conakry einen handgeschriebenen Brief an «Exzellenzen, geehrte Damen und Herren, Verantwortliche von Europa»....

Die Hoffnungsträger

«Ich möchte Wege finden, den Körper auf der Bühne weniger subjektiv darzustellen.» Unter diesem Motto choreografiert der in zeitgenössischem Tanz und interkultureller Kommunikation ausgebildete Alfredo Zinola Stücke mit Seltenheitswert: Sie richten sich an Kinder unter sechs Jahren, ohne klassische Erzählstrukturen zu bedienen. Ein interaktiver Mix aus Bewegung,...