Jenseits
Hyperion nennt der Grazer Komponist Georg Friedrich Haas sein Konzert für Licht und Orchester. Bei der Uraufführung der diesjährigen Donaueschinger Musiktage lässt Rosalie dreitausend Lampen dazu tanzen: kein Menetekel, das der Musik heimleuchtet. Eher ein Zeichen, das den Künsten eine Zukunft weist.
Die Halle kann die Zuschauer kaum fassen, die sich knapp eine Stunde lang ständig um die eigene Achse drehen: ein Lichtband vor Augen, das in sieben Rasterreihen à la Braille die vier Wände der Baar-Sporthalle säumt und dabei fortlaufend seine Farbigkeit wechselt – als ob ein E. T. eine Botschaft signalisiert, die es noch zu entschlüsseln gilt.
Doch von einer «unheimlichen Begegnung der dritten Art» kann keine Rede sein. Einmal in Gang gesetzt, gleicht das Licht, hinter Plastikeimern verborgen, einer Maschine, die «unerbittlich ihren Zeitablauf durchsetzt». Sagt Haas. Und Rosalie treibt die Synästhesie des Spektakels so weit, dass die Kinetik ihres Mediums tatsächlich zum Tragen kommt. Das SWR Sinfonieorchester ist jedenfalls hörbar inspiriert – und das Publikum so «bewegt», als sei es selbst der eigentliche Akteur. Es braucht dazu eben nur jemanden, der ihm ein Licht aufsteckt.
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