Ja. Nein. Vielleicht.
«Glauben Sie, Gewalt ist unvermeidbar?» − Glaube ich das? Die Frage steht auf einem der Zettel, die Zuschauern in die Hand gedrückt werden, damit sie gemeinsam mit einem anderen Besucher über diese und ähnliche Fragen reflektieren. Denken, dabei gehen, einmal diagonal durch den Raum. Über eine Strecke von vielleicht 20 Metern gilt es nun, einem mir bislang völlig unbekannten jungen Mann meine Haltung zu Gewalt zu offenbaren. Ich schwadroniere, der Mann läuft neben mir, Kopf gesenkt, keine Reaktion, kein Blickkontakt. Sehr verunsichernd.
Auf der Hälfte des Weges werden die Rollen getauscht: Er muss nun die Frage beantworten. Er schweigt, geht schneller, ich folge unwillig, unsere Körper entfernen sich einen halben Meter voneinander – eine vielsagende Distanz. Gleich ist er am Ziel, da sagt er: «Müsste ich drüber nachdenken.» Genau. Müsste man.
Ohne Denken geht gar nichts bei «The Exchange», einem interaktiven Projekt vom Kölner MichaelDouglas Kollektiv und Dana Caspersen, Ex-Forsythe-Star, Choreografin und Mediatorin. Für die Kölner Uraufführung wählte das Team eine Kirche, die Kunst-Station St. Peter: ein heller und halliger Sakralraum, Fenster aus buntem Glasmosaik, eine Orgel, ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von tanz? Loggen Sie sich hier ein
- Alle tanz-Artikel online lesen
- Zugang zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von tanz
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Tanz Jahrbuch 2016
Rubrik: Körper: Im Wandel, Seite 76
von Nicole Strecker
Konsterniert debattiert man in Südkorea darüber, warum das Land so viele exzellente Tänzer hervorbringt, aber keine Nachwuchschoreografen von internationalem Format. Jaehoon Choi hat die Antwort und vielleicht sogar ein Mittel der Besserung: das Seoul Dance Center. «Viele junge Choreografen wollen Stücke kreieren, aber die Universitätsprofessoren kontrollieren die...
Schön sein kann jeder Tänzer, Hässlichkeit erfordert Mut. Der Australier treibt alles bis ans Limit und gibt deshalb auch ein Monster nach Maß für Liam Scarletts «Frankenstein» am Royal Ballet in London
Er hat einen feingliedrigen, fast femininen Körperbau, einen blassen Teint, dazu rotblondes Haar. Mit seiner hohen, feinen Stimme beantwortet er kultiviert und mit...
Holger Bergmann steht an einem Zaun. Der umfriedet ein Stück Nichts: platten Boden, feines Geröll. «Schreiben Sie das nicht», sagt der Leiter des Festivals «Favoriten» dem Häuflein Journalisten, das ihn umringt. Denn das Festival soll im Herbst 2016 an genau dieser Stelle in Dortmund steigen und ringsum im Unionsviertel – «wir werden hier ein Loch reinschneiden.»
...
