iván markó

Wes Brot ich ess, des Lied ich sing – so hält es eine Handvoll ungarischer Tanzkünstler, die Maximalsubventionen kassieren, aber allenfalls Minimalansprüchen genügen. Und sich um den Rechtsextremismus nicht scheren. Ein Fallbeispiel

Tanz - Logo

«Also, ich muss sagen, ich liebe Viktor Orbán», oder «Wer mich angreift, greift Gott an» – zwei Sätze, die der ungarische Choreograf Iván Markó kürzlich in verschiedenen Fernsehsendungen von sich gab, zum Erstaunen der anwesenden Künstlerkollegen. Im September 2012 hatte die Tänzer-Gemeinde einen offenen Brief zur Causa Markó an Premierminister Orbán geschickt: 40 Tänzer und Choreografen hatten die Protestnote unterzeichnet, ein ungewöhnliches Solidaritätsbekenntnis in der ungarischen Tanzwelt.

Der Grund: Iván Markós Kompanie, das Ungarische Festival Ballett, hat vom zuständigen Ministerium außerhalb jeglicher Wettbewerbskriterien und scheinbar unmotiviert eine satte Finanzspritze von umgerechnet knapp 440 000 Euro erhalten. Prompt und unisono revoltierte die Tanzszene – nicht nur wegen der undemokratischen Subventions-Vetternwirtschaft, sondern auch angesichts der Höhe der Summe. Die mag nach westeuropäischem Maßstab gar nicht mal so extrem erscheinen, aber der Förderetat, um den landesweit fast 50 Kompanien quer durch die Tanzlandschaft konkurrieren müssen, bringt es insgesamt auf nicht mehr als 720 000 Euro. Davon streicht Markó, weil er auch im direkten Wettbewerb einen ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von tanz? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle tanz-Artikel online lesen
  • Zugang zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von tanz

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Tanz Februar 2013
Rubrik: menschen, Seite 24
von Andrea Tompa

Weitere Beiträge
china blues

Schon wieder China. Seit einiger Zeit räumt das Riesenreich die namhaftesten Kulturpreise ab: Literaturnobelpreis, Friedenspreis des deutschen Buchhandels, davor Friedensnobelpreis. Es hat mit Ai Weiwei einen der meistdiskutierten bildenden Künstler der Gegenwart, und die schönste Frau der Welt kommt derzeit ebenfalls aus China. Fast könnte man meinen, die...

wettbewerb

  wettbewerb
oleksi bessmertni

Das ist der Gipfel, und deshalb muss der «Tanzolymp» einmal im Leben erstiegen sein. Oleksi Bessmertni, selbst einmal Tänzer, hat ihn sich vor zehn Jahren einfallen lassen: einen Wettbewerb, der für ihn deshalb Festivalcharakter besitzt, weil er in so vielen Altersgruppen und Kategorien – Klassik, Neoklassik, Modern, Folk und Jazz –...

politik im tanz

Vom Schauspiel verlangt das Publikum, dass es Stellung bezieht, Partei ergreift und eine Meinung vertritt. Vom Tanz hat man derlei kaum je erwartet. Darum war er so selten politisch verdächtig – ausgenommen, die Künstler ließen sich von Diktatoren verheizen. Der Tanz fällt gern in die Kategorie des Amüsements und scheint dem Zirkus verwandter zu sein als der...