Inszenierung des Jahres: Boris Charmatz «Liberté cathédrale»

Boris Charmatz soll das Tanztheater Wuppertal Pina Bausch neu beatmen. Das ist tatsächlich auf Anhieb gelungen

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Raus mit der Bestuhlung! Wenn die Welle von «Liberté Cathé-drale» anrollt, ist Schluss mit aller Herrlichkeit von Sitzreihen im Parkett, so ehrfurchtgebietend die bespielten Häuser auch sein mögen. So geschehen zur Uraufführung im Mariendom von Velbert-Neviges nahe Wuppertal, später in der Oper von Lille und im Pariser Théâtre du Châtelet, wo der Bühnenboden über die Parkettstühle hinaus verlängert wurde. Da war plötzlich der ganze Saal eine gigantische Spielfläche. Wo nötig, wurden die Sitzreihen demontiert. «Platz da, jetzt komm‘ ich», heißt die Ansage.

Ein echtes Statement, für den Tanz als solchen und natürlich auch persönlich. Denn hier zementiert Boris Charmatz seinen Platz in der neueren Tanzgeschichte, bekanntlich Grenzgänger zwischen Frankreich und Deutschland mit seiner Kompanie Terrain, die sich für «Liberté Cathédrale» mit dem Tanztheater Wuppertal vereint. Charmatz, der seit einem Jahr die Geschicke des von Pina Bausch gegründeten Ensembles leitet, verbreitet eine klare Botschaft: Macht euch frei von euren Kathedralen! Was für Kathedralen? Da sind das Theater als solches und seine Bauten, aber auch gewisse Monumente der Tanzgeschichte. Zwar geht es nicht um ...

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Tanz Jahrbuch 2024
Rubrik: The winners are, Seite 130
von Thomas Hahn

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