In Tränen tanzen
Die Träne quillt. Über die Reling eines Schiffs gebeugt, sinnt ihr der «Dichter» lange nach. Während sie ins Wasser tropft, gewinnt in der Tiefe des kollektiven Unbewussten seine Sehnsucht körperhafte Gestalt – und gleich ihm erleidet die «kleine Meerjungfrau» ein Los, das beide am Ende zwar nicht glücklich, zumindest aber unsterblich macht. Keine der Erzählungen von Hans Christian Andersen hat die Welt mehr «bewegt» als die Geschichte seiner Geschöpfe, die ihre Beseeltheit so schmerzhaft am eigenen Leib erfahren.
Da nimmt es nicht Wunder, wenn sich John Neumeier in den Kreis der Choreografen einreiht, die «Den lille Havfrue» zu allem Unglück auch noch das Tanzen lehren. In Kopenhagen ist ein solches Ballett sozusagen Pflicht, wo sich der «Dichter» sein Jubiläumsjahr mit einem «Ballettmeister» teilt. Auch August Bournonville wäre, wie man weiß, in diesem Jahr zweihundert geworden.
Noch steht ganz Dänemark nur im Zeichen von Hans Christian Andersen, und Hamburgs Ballettintendant lässt es sich nicht nehmen, ihm zu huldigen: Er ist jener «Dichter», der als Schatten seiner Selbst die eröffnenden Worte des Märchens auf die Bühnenwand schreibt. Dass sich dessen Existenz auf ...
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Wohngemeinschaften sind beliebte Sujets auf der Bühne, im wirklichen Leben, und im Reality TV ohnehin. Dies, obwohl die Rede darüber seit den späten 1960ern immer dieselbe ist: WG-Mitglieder hören laute Musik, streiten sich gern, bumsen über Kreuz, leben in Sauordnung und lesen unanständig viel. Das tun sie auch in Gilles Jobins «Steak House», doch den...
