In der Vip-Lounge
Cisco Aznar
In seiner «Andrógena de Minas» meint eine Figur zynisch: «Der wahre zeitgenössische Künstler ist ein selbstsüchtiges, sich im Luxus tummelndes Biest. Einen Inhalt vermitteln? Ist doch Quatsch! Das machen Politiker besser. Die romantische Auffassung von Kunst ist überholt.» Nun wäre es falsch, daraus zu schließen, Cisco Aznar habe sich der Romantik verschrieben: Viele seiner absolut bissigen Produktionen sind im Gegenteil von einer wahrhaft barocken Bilderflut gekennzeichnet, und manche Szenen sind in ihrer nackten Expressivität nicht allen Augen genehm.
Wahr ist jedoch, dass der 1972 geborene Katalane und ehemalige Béjart-Schüler mit dem Klischee des zeitgenössischen Choreografen nichts gemeinsam hat. Bei ihm steckt hinter jeder Geste langes Ausfeilen, selbst das Wimpernschlagen ist geprobt. Kunst soll bewegen. Und dass dafür unermüdliches Schaffen gefragt ist, dass die Funken der Inspiration nur dort sprühen, wo man sie he-raufbeschwört, das versteht sich von selbst.
Nach neun erfolgreichen Produktionen für seine Compagnie Buissonnière ist 2008 das Jahr des internationalen Durchbruchs: Cisco Aznars «Coppélia» für das Genfer Grand Théâtre – eine verspielte, aber ...
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