Im Beton der Egalité ist alles egal
Zehntausend Autos und über zweihundert öffentliche Einrichtungen wie Postämter, Schulen usw. und auch einige Theater wurden während der Aufstände im November 2005 in Frankreichs Vorstädten in Brand gesteckt. Am rechten Rand sieht das Land in den Jugendlichen unheilbare Kriminelle. Der linke Rand spricht ihnen die Intelligenz zur Revolution ab: Sollen sie doch lieber in den Vierteln der Reichen wüten (weil wir uns selbst nicht trauen), anstatt ihre eigenen Autos und Einrichtungen zu zerstören.
Ihr Protest richtet sich auch gegen die Unmenschlichkeit der Architektur, meint der Architekt Lucien Kroll. Zu viel gewollte Ordnung im Stadtbild ist auch eine Form von Gewalt. In sozial gleich benachteiligten Vierteln, deren Struktur aber natürlicher wachsen konnte, entlud sich weit weniger Aggression. Plattenbauten erzeugen Straftaten, folgert Kroll. Die villes nouvelles wie Sarcelles oder Saint-Quentin-en-Yvelines entstanden in den 1970er Jahren. Seitdem sind Menschen dazu verdammt, in ihnen zu leben: ein produktivistisches Städtebild, das die wuchernde Banlieue strukturieren sollte, inspiriert von Stalins Plattenbauten. Kein Planer kam auf die Idee, sich die Frage nach der Lebensqualität ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von tanz? Loggen Sie sich hier ein
- Alle tanz-Artikel online lesen
- Zugang zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von tanz
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Das hätte man von Alain Platel nicht erwartet: eine Geschichte von A bis Z, und nichts bleibt unausgesprochen. Vielleicht, weil das Thema so prekär ist: Der Ich-Erzähler des Romanerstlings «Beasts of No Nation» ist ein afrikanischer Kindersoldat. Der ihn sprechen lässt, ist ein Afroamerikaner mit nigerianischen Vorfahren namens Uzodinma Iweala. Er erzählt, was über...
Auf der Bühne oder auf dem Laufsteg hinterlässt das Kostüm oft nur einen flüchtigen Eindruck. Fotografiert, bekommt es etwas Dauerhaftes, Skulpturales. Christin Losta zeigt das Kleid in seiner ganzen Beschaffenheit. Man erahnt, wie viele Schritte vom Entwurf bis zur Fertigung eines Kostüms nötig sind. Ein Kleid von Hervé Leger erinnert so, aus einzelnen Stücken...
Schwarz ist der Raum, den William Forsythe bis in die lichte Höhe des Festspielhauses hochgezogen hat. Weiß der Boden, der die Tänzer des Ensembles wie Elementarteilchen eines turbulenten Tableaux erscheinen lässt. «Fivefold» nennt der Künstlerische Direktor der Forsythe Company seine Uraufführung, mit der er endlich in seinem zweiten Domizil, in der «Gartenstadt»...
