Germaine Acogny: "Waxtaan"

Frankreich

Tanz - Logo

Germaine Acogny muss man unbedingt mal fragen: Warum kleiden sich afrikanische Kompanien umso westlich-büromenschenhafter, je näher sie ihren Wurzeln kommen? «Ganz einfach», würde sie antworten, «wir müssen zurückblicken, um besser voranzukommen. Befreien wir die Tänze von ihrem Folklore-Image!» Nur Mut, die direkte Verwandtschaft des amerikanischen Krumping in "Waxtaan" ist so frappierend, dass Afrika dieses Ziel bald erreicht haben sollte. «Waxtaan» bedeutet «Diskussion».

Die acht Politiker oder Manager, die sich zeitweise ihrer Jacketts und Schlipse entledigen, laufen und tanzen um einen «grünen Tisch», der weniger an Kurt Jooss erinnert als an Susanne Linkes «Le coq est mort». Die eleganten Anzüge sind Sinnbild der Behandlung des Kontinents durch Kolonialeuropa. Das Ursprüngliche, das sich humorvoll Bahn bricht, quillt den barfüßigen Technokraten direkt aus dem Unterhemd. Die Accessoires für Stammestänze schmuggeln sie im Aktenkoffer ein. Germaine Acogny, die zum ers-ten Mal mit ihrem Sohn Patrick gemeinsam kreiert, fehlt es nicht an Selbstironie bezüglich des tänzerischen Erbes. Nach Slapstick zu Beginn verdichten sich die Energien. Es folgen einige Runden Leerlauf samt ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von tanz? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle tanz-Artikel online lesen
  • Zugang zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von tanz

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Tanz März 2007
Rubrik: Der Kalender, Seite 45
von Thomas Hahn

Vergriffen
Weitere Beiträge
Gala an der Deutschen Oper: "Malakhov & Friends"

«Er ist einzigartig», meint Alex Ursuliak im Souvenirprogramm. Der ehemalige Direktor der Stuttgarter John Cranko-Schule hegt keinen Zweifel: «Es gibt nicht die geringste Spur der Kopie eines anderen, und man sollte ihn auch mit niemandem vergleichen. Er ist definitiv: Vladimir Malakhov.» So feiert der Intendant des Staatsballetts Berlin sein 20-jähriges...

Wie gefährdet ist das Staatsballett Berlin, Herr Schmitz?

André Schmitz,
in der Diskussion um die Zukunft der Stiftung Oper in Berlin war immer von den drei Opernhäusern die Rede und einer möglichen Schließung. Kein Sterbenswörtchen über das Staatsballett Berlin, bisher eine der tragfähigs­ten, effektivsten Säulen der Stiftung. Geben Sie dem Staatsballett, sollte die Stiftung eines Tages scheitern, eine Überlebenschance,...

Jung, arabisch, wütend

Bagnolet liegt am östlichen Rand von Paris. Vom Büro der Rencontres Chorégraphiques Internationales de Seine-Saint-Denis zur Place de la République sind es Luftlinie fünf Kilometer. Mit dem Fernrohr müsste man ihn vom Hochhausdach sehen können, ein paar Zentimeter südlich davon die Bastille und die Place de la Nation. So nah ist der Rand an Frankreichs Zentrum. Von...