Germaine Acogny: "Waxtaan"
Germaine Acogny muss man unbedingt mal fragen: Warum kleiden sich afrikanische Kompanien umso westlich-büromenschenhafter, je näher sie ihren Wurzeln kommen? «Ganz einfach», würde sie antworten, «wir müssen zurückblicken, um besser voranzukommen. Befreien wir die Tänze von ihrem Folklore-Image!» Nur Mut, die direkte Verwandtschaft des amerikanischen Krumping in "Waxtaan" ist so frappierend, dass Afrika dieses Ziel bald erreicht haben sollte. «Waxtaan» bedeutet «Diskussion».
Die acht Politiker oder Manager, die sich zeitweise ihrer Jacketts und Schlipse entledigen, laufen und tanzen um einen «grünen Tisch», der weniger an Kurt Jooss erinnert als an Susanne Linkes «Le coq est mort». Die eleganten Anzüge sind Sinnbild der Behandlung des Kontinents durch Kolonialeuropa. Das Ursprüngliche, das sich humorvoll Bahn bricht, quillt den barfüßigen Technokraten direkt aus dem Unterhemd. Die Accessoires für Stammestänze schmuggeln sie im Aktenkoffer ein. Germaine Acogny, die zum ers-ten Mal mit ihrem Sohn Patrick gemeinsam kreiert, fehlt es nicht an Selbstironie bezüglich des tänzerischen Erbes. Nach Slapstick zu Beginn verdichten sich die Energien. Es folgen einige Runden Leerlauf samt ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von tanz? Loggen Sie sich hier ein
- Alle tanz-Artikel online lesen
- Zugang zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von tanz
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Zehntausend Autos und über zweihundert öffentliche Einrichtungen wie Postämter, Schulen usw. und auch einige Theater wurden während der Aufstände im November 2005 in Frankreichs Vorstädten in Brand gesteckt. Am rechten Rand sieht das Land in den Jugendlichen unheilbare Kriminelle. Der linke Rand spricht ihnen die Intelligenz zur Revolution ab: Sollen sie doch...
Auf der Bühne oder auf dem Laufsteg hinterlässt das Kostüm oft nur einen flüchtigen Eindruck. Fotografiert, bekommt es etwas Dauerhaftes, Skulpturales. Christin Losta zeigt das Kleid in seiner ganzen Beschaffenheit. Man erahnt, wie viele Schritte vom Entwurf bis zur Fertigung eines Kostüms nötig sind. Ein Kleid von Hervé Leger erinnert so, aus einzelnen Stücken...
«Schluss jetzt! Macht endlich diese Musik aus!» Da können die jungen Männer in den verwaschenen Jeans und den schlabberigen T-Shirts noch so protestieren, der uniformierte Wachmann bleibt stur. Stellt sich breitbeinig mitten auf die Tanzfläche, die Hände fest in die Hüften gestemmt. «Ihr stört die Kunden, das ist doch keine Disko.» Langsam und widerwillig löst sich...
