Igor & Goldberg

Im Zeichen des Zen, im Namen Strawinskys: zwei Uraufführungen von Kevin O’Day in Mannheim und Stuttgart – «Goldberg-Variationen» und «Igor Poems».

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Die Anekdote will es, dass Graf Keyserlingk, der russische Gesandte am Hof von Dresden, nachts nicht einschlafen konnte. Trübe Gedanken quälten ihn, der Alb drückte auf seine Seele, und der von Krankheit Gezeichnete forderte Linderung. So ließ er nach Johann Gottlieb Goldberg rufen, den Bach zu seinem Meisterschüler erkoren hatte. Bach schrieb für Goldberg dreißig komplexe und schwierige Variationen, die, streng symmetrisch-mathematisch angeordnet, den Gipfel der damaligen Kompo­sitionskunst darstellten.

Goldberg eilte herbei und spielte dem siechen Grafen die «Aria mit verschiedenen Veränderungen vors Clavicimbal» vor, wo­raufhin sich der Graf erfrischt und beruhigt gefühlt haben soll. Wir wissen nicht, was Ihnen der freundliche Apotheker bei Schlafstörungen empfiehlt. Kevin O’Day jedenfalls rät: «Solch eine Krankheit führt zu Beklemmungen und da hilft Meditation und Zen.»
Dass Bachs Klaviermusik für den Mannheimer Ballettchef einen solchen meditativen Charakter hat, mag ihn dazu verleitet haben, Bachs christliche Musik mit dem buddhistischen Konzept der Kontemplation und der Leere in Verbindung zu bringen. Für sein Ballett «Goldberg-Variationen», das im 225. Jubeljahre Schillers ...

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Tanz Januar 2005
Rubrik: Premiere, Seite 8
von Gerald Siegmund

Vergriffen
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