No taboos anymore?
Diagnose: Brustkrebs. Der Arzt reicht seiner Patientin das Skalpell. Operiere dich selbst! So hat der saarländische Kultusminister Jürgen Schreier (CDU) Anfang Dezember das Saarländische Staatstheater in Saarbrücken zur Amputation von – einmalig in Deutschland – einem Viertel seiner Mittel verurteilt. Binnen fünf Jahren sollen die Landeshilfen von derzeit 24,5 Millionen Euro auf 18,5 Millionen sinken, was via Personalabbau alle Sparten sowie Spielstätten wie Alte Feuerwache und St. Arnual in ihrer Existenz gefährdet. Das Ballett unter Leitung von Marguerite Donlon trüge mit ca.
600 000 Euro den geringsten Anteil und ist damit üblicherweise am meisten gefährdet. Intendant Kurt Josef Schildknecht konnte bei einer «Informationsveranstaltung» die resolute Solidarität der Bürgerschaft erleben. Sie forderte in so genannten «Testimonolias» eine «neue Demokratie» und protestierte gegen den Abbau einer «Stätte kultureller Identität». Die Perspektivlosigkeit des Ministers als Aufsichtsratsvorsitzender des Staatstheaters («Ich darf nicht auf die konkreten Sparmaßnahmen des Theaters einwirken, ich darf sie nur anordnen») wurde als Komplettversagen der Politik ausgepfiffen. Der ...
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So ist Wien. Es wird lang gezaudert, aber wenn sich etwas ändert, dann richtig. Die seit einem Jahr heiß diskutierte Tanz- und Theaterreform hat alle Charakteristika einer veritablen Samtvorhang-Revolution. Mit der überraschend konsequenten Entscheidung der siebenköpfigen «Wiener Theaterjury» über die langfristigen Förderungen von Tanz- und Theatergruppen sowie...
Die Anekdote will es, dass Graf Keyserlingk, der russische Gesandte am Hof von Dresden, nachts nicht einschlafen konnte. Trübe Gedanken quälten ihn, der Alb drückte auf seine Seele, und der von Krankheit Gezeichnete forderte Linderung. So ließ er nach Johann Gottlieb Goldberg rufen, den Bach zu seinem Meisterschüler erkoren hatte. Bach schrieb für Goldberg dreißig...
Ich stehe im Supermarkt, an der Kasse. Die Frau vor mir hat ein blaues Auge, der Mann hinter mir riecht nach Urin. Ihm fällt sein Kleingeld auf den Boden, ich hebe es auf und gebe es ihm. Vor ein paar Tagen stand ich auch hier. Da waren zwei Männer hinter mir, mit einem Mädchen, das war vielleicht vier. Sie kauften zwei Flaschen Wodka und ein Glas Nutella, und die...
