No taboos anymore?

Das Saarland will sein einziges Theater abschaffen

Tanz - Logo

Diagnose: Brustkrebs. Der Arzt reicht seiner Patientin das Skalpell. Operiere dich selbst! So hat der saarländische Kultusminister Jürgen Schreier (CDU) Anfang Dezember das Saarländische Staatstheater in Saarbrücken zur Ampu­tation von – einmalig in Deutschland – einem Viertel seiner Mittel verurteilt. Binnen fünf Jahren sollen die Landeshilfen von derzeit 24,5 Millionen Euro auf 18,5 Millionen sinken, was via Personal­abbau alle Sparten sowie Spielstätten wie Alte Feuerwache und St. Arnual in ihrer Existenz gefährdet. Das Ballett unter Leitung von Marguerite Donlon trüge mit ca.

600 000 Euro den geringsten Anteil und ist damit üblicherweise am meisten gefähr­det. Intendant Kurt Josef Schildknecht konnte bei einer «Infor­mations­­veranstaltung» die resolute Solidarität der Bürgerschaft erleben. Sie forderte in so genannten «Testimo­nolias» eine «neue Demokratie» und protes­tierte gegen den Abbau einer «Stätte kultureller Identität». Die Perspektivlosigkeit des Ministers als Aufsichtsratsvorsitzender des Staatstheaters («Ich darf nicht auf die konkreten Sparmaßnahmen des Theaters einwirken, ich darf sie nur anordnen») wurde als Komplettver­sagen der Politik ausgepfiffen. Der ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von tanz? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle tanz-Artikel online lesen
  • Zugang zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von tanz

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Tanz Januar 2005
Rubrik: Magazin, Seite 15
von Arnd Wesemann

Vergriffen
Weitere Beiträge
Fette Raupen, gefräßige Wände

Beim NDT II, der Junior-Kompanie des Nederlands Dans Theater, sind 16 Tänzer engagiert, je acht Damen und Herren. Der Japaner Shusaku Takeuchi, in Den Haag kein Unbekannter, spannt alle 16 vor den Karren. Für sein 38-Minuten-Stück «Caterpillar», mit dessen Uraufführung NDT II einen «Rush» überschriebenen Vierteiler eröffnet, steckt er die Frauen in lange, bunte...

Etappensieg in Wien

So ist Wien. Es wird lang gezaudert, aber wenn sich etwas ändert, dann richtig. Die seit einem Jahr heiß diskutierte Tanz- und Theaterreform hat alle Charakteristika einer veritablen Samtvorhang-Revolution. Mit der über­raschend konsequenten Entscheidung der sieben­köpfigen «Wiener Theaterjury» über die langfristigen Förderungen von Tanz- und Theatergruppen sowie...

Fusionsdividende

Nur zehn Tänzer, das hat auch Vorteile. Man muss sich als Dramaturg bei einer Sonntagmorgen-Einführungsmatinee im Freiburger Theater (mit rund fünf­zehn Senioren und Lehrern) auf die unvermeidliche «Schwanensee»-Diskussion gar nicht erst einlassen. Das ginge ja schon allein wegen der Größe des Ensembles nicht, sagt Oliver Held und überlässt es der Chefin der neuen...