Ich tanze schneller

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Eis ist ein irres Zeug. Es bringt den Körper aus der Balance. Es beschleunigt den Tänzer auf Tempo 40. Martin Schläpfer, Mainzer Ballettchef und Eiskunstläufer in seiner Jugend, entdeckte, wie sich der Körper «regelrecht in den Raum frisst und schraubt». In Schläpfers Jugend gewann ein Kunstmaler aus Toronto, Toller Cranston, die Weltmeisterschaft in München. Er kombinierte wie selbstvergessen seine Pirouetten und Schrittfolgen. Die Punktrichter kapitulierten vor der Schönheit.

Sie versuchten, anhand des Videos die Spuren von Cranstons Schlittschuhkufen auf dem Eis wie eine Notation zu lesen. Aber das Gewirr von Kurven und Druckstellen sagte nur aus, was Kleist schon in seinem Aufsatz «Über das Marionettentheater» feststellte: dass die Linie, die der Schwerpunkt des Körpers nehme, nichts anderes sei als der Weg der Seele des Tänzers. Für die Punktrichter stand fest, hier war Kunst in den Eistanz eingebrochen. Erfolgreich starteten sie, wie Doris Henkel in diesem Heft beschreibt, einen Feldzug, damit die Wertung der Norm über das ästhetische Ideal der Kür siegt.

Unmöglich heute, wie John Curry, Olympiasieger von 1976, noch einmal den Titel «Nureyev auf dem Eis» zu verdienen. Seinen ...

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Tanz Dezember 2007
Rubrik: Editorial, Seite 1
von Redaktion

Vergriffen
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