Ich bin so frei: Frie Leysen
Man traf sie immer zufällig, mal in einem Café in Teheran, mal in einer Hotelbar in Reykjavík oder auf einem Basar in Tunis. Weltgereist wie sie war, mit ihrem schalkhaften Lachen im faltig-schönen Gesicht, wurde sie zu einem Idol. Die Stationen, die der 1950 Geborenen zur Berühmtheit verhalfen, sind schnell aufgezählt. 1980 schuf sie das Künstlerhaus DeSingel in Antwerpen, 1994 gründete sie das «Kunstenfestivaldesarts» in Brüssel.
Sie kuratierte 2007 die «Meeting Points 5» in neun arabischen Städten, leitete «Theater der Welt» 2010 in Mülheim und Essen sowie 2012 die «Foreign Affairs» der Berliner Festspiele, um sich dann, ein Jährchen nur, als Programmdirektorin der «Wiener Festwochen» zu bemühen. Spätestens da stieß der kompromisslose Charme, den ihre raue Stimme versprühte, auf die Mauer eines allzu starren Systems staatlicher Theaterstrukturen. Ihr Freigeist glaubte fest nur an die Kunst, die sich der Wirklichkeit nie anders zu beugen hätte, als diese schonungslos zu demaskieren. Mit Brett Bailey aus Südafrika fand sie zum Thema Kolonialismus. Heute ist diese Kritik Mainstream. In der arabischen Welt erspürte sie die Vorboten des Arabischen Frühlings. In Brüssel wurde vor dem ...
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Tanz November 2020
Rubrik: Side Step, Seite 17
von Arnd Wesemann
Monika Gintersdorfer, Sie arbeiten mit zwei freien Gruppen: mit La Fleur und, seit fünfzehn Jahren, mit Gintersdorfer/Klaßen. Voraussetzung Ihrer Arbeit ist das Beantragen von Fördergeldern und die Zusammenarbeit mit Koproduzenten. An welche Grenzen stößt dieses Modell? Die Logik von Förderungen ist ihre zeitliche Gebundenheit: Man kann aus Förderungen keine...
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