Hofnarren
Der Mann scheint müde zu sein. Der Oberkörper auf einer recht unbequem aussehenden Bank zurückgelehnt, die Beine übereinandergeschlagen, ein Ellbogen klemmt an der Armlehne, der Kopf ist leicht nach hinten geneigt, die Augen sind geschlossen. Es scheint ein öffentlicher Ort zu sein, an dem die Person sich ausruht, erschöpft womöglich vom Tagewerk eines anstrengenden Berufs? Schauplatz dieser Szene ist das britische Unterhaus, es ist der 3. September 2021, ein Tag, an dem das Parlament heftig über den anstehenden Brexit und die Art und Weise des Ausstiegs debattiert.
Da kann man schon mal müde werden. Oder?
Womöglich nicht, wenn es sich bei dem skizzierten Abgeordneten um Jacob Rees-Mogg handelt, Tory-Abgeordneter und seinerzeit Sprecher des Unterhauses – zu einem Zeitpunkt allerdings, an dem die Tories eine bequeme Mehrheit von 80 Sitzen im Parlament halten. Da kann man sich eine relaxte Pose vielleicht schon mal erlauben, zumal im selben Zeitraum ohnehin die Suspendierung des Parlaments diskutiert wird, vorangetrieben vom seinerzeitigen Premierminister, Boris Johnson. Ist ja auch lästig, sich mit anderen Parteien herumstreiten zu müssen, deren Stimmen ohnehin kein Gewicht haben, ...
Susanne Foellmer ist Professorin für «Dance Studies» an der Universität von Coventry
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von tanz? Loggen Sie sich hier ein
- Alle tanz-Artikel online lesen
- Zugang zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von tanz
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Tanz Jahrbuch 2022
Rubrik: Vermessung des Tanzes, Seite 90
von Susanne Foellmer
Auch wenn die Zeiten akuter Corona-Beschränkungen hoffentlich hinter uns liegen, hat das Virus die tschechische Tanzszene in der vergangenen Saison stark geprägt – und das nicht nur negativ. Die Künstler*innen vermissten zwar den direkten Kontakt mit dem Publikum, konnten aber von einem kostbaren Gut profitieren: Zeit. Diese gab ihnen Gelegenheit, Konzepte zu...
Stars tun es und Sternchen ebenfalls. Natalia Osipova, einst Aushängeschild des Bolschoi und inzwischen Frontfrau des Royal Ballet London, brachte im November letzten Jahres drei kleine Tanzstücke als NFT heraus. Non-Fungible Token sind mittels kryptografischer Verfahren erstellte digitale Zertifikate, die unteilbar, aber handelbar sind, die eindeutig auf einen...
Die Zukunft für ihn hat längst begonnen. Vor gut einem Jahrzehnt gab es noch den Deutschen Tanzpreis «Zukunft», und der wurde 2011 dem «Multitalent Eric Gauthier» verliehen – wie es in der Begründung hieß «für seinen bewundernswerten Mut zur Gründung und Künstlerischen Leitung einer eigenen Kompanie mit aufsehenerregenden und eigenwilligen choreografischen...
