Hofesh Shechter

Wer in Israel aufwächst, ist kein Zuschauer. Man muss erst einer werden. In London erhielt der Newcomer die Chance seines Lebens – in der Tanzszene ist er Tagesgespräch. Egal, wie es um Israel steht.

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Außerirdische haben die Belegschaft des Jerwood Space gekidnappt. Es ist unheimlich still dort: Die Tür steht offen, niemand steht am Empfang, und die elegante Café-Lounge in Weiß und Chrom zeigt keine Spuren menschlichen Lebens. Neonstreifen in Pink reflektieren im Garten die Reglosigkeit des Wasserspiels und verleihen der Szenerie typische «Akte X»-Qualitäten. Ich rufe Hofesh Shechters Managerin auf ihrem Handy an, bekomme keine Antwort, setze mich erst mal an einen der Loungetische in der Hoffnung, dass irgendwann jemand auftauchen wird.

Ein paar Sekunden später steht Hofesh Shechter, der Choreograf, plötzlich vor mir, angekündigt nur durch ein leises Rascheln. Entweder berührt er den Boden nicht, oder er kann sich «beamen» wie bei Star Trek. Sein geisterhaftes Auftauchen ist beeindruckend. Seine Geräuschlosigkeit, wie sich in der nächsten Stunde zeigt, ist typisch für den 32-Jährigen.

Mit fünfzehneinhalb hatte er in Jerusalem seine erste Ballettstunde. Davor lernte er Volkstänze und Schlagzeug. Er tanzte bei Israels bester Kompanie Batsheva, reiste dann fünf Jahre lang quer durch Europa, blieb besonders lang in Deutschland und Frankreich. Im Jahr 2002 kam er mit einer Band nach ...

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Tanz Februar 2009
Rubrik: Israel, Seite 46
von Mike Dixon

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