Fotos: Colours Festival Theaterhaus Stuttgart, RahiRezvani
Grand Finale
Paris ist nicht mehr, was es einmal war: Stadt der Träume, großes Versprechen. Wer mit dem Bus vom Flughafen Charles de Gaulle kommend die Bezirke außerhalb des Autobahnrings durchquert, um über eine der nördlichen Zufahrten wie Porte de la Chapelle ins Zentrum zu gelangen, wird eines Elends ansichtig, das von Jahr zu Jahr verstörendere Ausmaße annimmt. Auf den Verkehrsinseln der Randboulevards türmen sich Kleider, Plastikmüll, ausrangierte Haushaltsgüter wie Töpfe, Bettgestelle oder marode Kühlschränke.
Armut und Verwahrlosung hausen hier, unter freiem Himmel – Menschen, vor allem sehr junge und sehr alte, die offensichtlich keine Chance haben (oder sehen), ein Bein auf den Boden zu bekommen. Entwurzelte, die nicht nur die Wohlstands-Optik beeinträchtigen, sondern auch das Wahlverhalten beeinflussen. Wiewohl Marine Le Pen vorerst den Kürzeren gezogen hat und die befürchtete extremistische Verschiebung der Politachsen ausgeblieben ist: Wer sagt, dass Emmanuel Macron die Grande Nation versöhnen, die traditionell elitären Leistungsträger auf mehr Solidarität und weniger Klassendünkel einschwören, die Abgehängten und sich selbst Abhängenden ankoppeln kann? Die Pariser in den eleganten ...
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Tanz Juli 2017
Rubrik: Produktionen, Seite 22
von Dorion Weickmann
Ihr jüngstes Werk nennt sie ein «Bacchanal – Vorspiel zur Katharsis» – ein Titel, der an das legendäre dionysische Fest der alten Griechen erinnert, dem eine reinigende, also kathartische Wirkung aus wildem Tanz, wildem Wein und wilder Ekstase zugeschrieben wurde. Katholisch verbrämt findet sich dieses Fest heute in Ansätzen noch in der Altstadt von Salvador de...
Früher Mittag, Düsseldorf-Bilk, Balletthaus: Ein paar Tänzer chillen in Trainingsklamotten im Eingangsbereich, der zugleich ihr Aufenthaltsraum ist. Eine große Glasfront, schick-gemütliche Polstersofas, schlichte Holztische. Aus der angegliederten Küche weht der zarte Duft von Jasminreis, durch die offene Tür sieht man Wasserdampfwolken über einem offenen Kochtopf....
Flamenco ist eine traditionelle Kunstform. Je stärker eine Tradition ist, umso mehr Tabus gibt es. Der Flamenco-Avantgardist Israel Galván musste auf seinem Weg entsprechend viele Tabus brechen. Eines nach dem anderen. Heute wird er in einem Atemzug mit den großen Tänzern und Choreografen der Tanzgeschichte genannt. Er beschäftigt Tanzwissenschaftler, Philosophen,...
