Hélène Bouchet

tanzt in John Neumeiers Hamburger Kompanie ein Elfenwesen mit einem derart heutigen weiblichen Selbstbewusstsein, dass niemand an ein Ballett von vorgestern denkt. Wie hat sie das gemacht?, fragte Klaus Witzeling. Und erhielt bezaubernde Antworten

Tanz - Logo

Elfenhaft. Das ist ein geläufiges Lobeswort für Ballerinen. Die Phrase zeigt zwingend auf den Stil der Romantik-Epoche. Das Klischee gegen den Strich zu bürsten, es sehr persönlich mit Leben von heute zu füllen und doch etwas vom historischen Zeitgeist zu vermitteln, das ist Hélène Bouchets phänomenale Leistung bei ihrer Reanimation von «La Sylphide» am Hamburg Ballett. «Es ist ja nicht so, dass ich eine Sylphide bin, wenn abends der Vorhang in der Oper aufgeht.» Nachsichtige Ironie blitzt in Bouchets grünen Augen. Die fragile Französin bewahrt aber höflich Haltung.

Sie streicht die langen dunklen Haare aus dem blassen, fein gezeichneten Gesicht, kommt gerade etwas erschöpft von der Probe zu John Neumeiers Tanzmärchen «Der Nuss-knacker». Darin gibt sie die Möchtegern-Ballerina Marie ebenso wie den Spitzenstar Louise auf der Höhe seiner Kunst. Diese Rolle braucht die brillante Erste Solistin gar nicht zu spielen – sie ist sie.

Einen Starauftritt hat die Tänzerin mit den langen Armen und Beinen auch gar nicht nötig. Bescheiden und selbstbewusst verzichtet sie auf extravagante Allüren. Hélène Bouchet ist in der Hamburger Kompanie zur Étoile aufgestiegen – obschon weder sie noch John ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von tanz? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle tanz-Artikel online lesen
  • Zugang zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von tanz

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Tanz Jahrbuch 2009
Rubrik: Portrait, Seite 24
von Klaus Witzeling

Vergriffen
Weitere Beiträge
«RETE» Italien

Lang lebte die zeitgenössische Tanzszene von Erinnerungen. Zwei Generationen Tänzer hatten sich von Carolyn Carlson inspirieren lassen und/oder zehrten von ihren Studienaufenthalten in New York … Aber Neues spross wenig in Italien, während die Avantgarde von einst langsam ranzig wurde. Verrückt, denn Theater aller Größen und sogar vorsichtig neugieriges Publikum...

Männer in Strumpfhosen

Am Anfang des 19. Jahrhunderts hatten noch die Männer die Bühne dominiert. Dann standen, im Romantischen Ballett, die Tänzerinnen im Zentrum der Aufmerksamkeit. Die Aufgabe der Tänzer, wie damals Jules Perrot und Arthur Saint-Léon, war, der gefeierten Ballerina ihre starken Arme zu leihen. Der neue Stil betonte die weicheren Bewegungen und den leicht gebeugten...

Lisa-Maree Cullum

Auf der Suche nach einer Ballerina: «Wo ist Lisa-Maree Cullum?» Die Community war letztes Jahr in Aufruhr, im Sommer wurde in Internet-Foren nach der Münchner Ersten Solistin geforscht. Von einer Knieoperation munkelte man, und dass die Neuseeländerin, die seit über zehn Jahren zum Bayerischen Staatsballett gehört, vielleicht nie mehr wieder auf die Bühne...