Heilige Tanzstätten
Ja, es gibt eine Wiederkehr des Schönen. Des Glaubens. Des Religiösen. Die etablierten Kirchen schlagen Alarm. Jugendliche gründen ihre eigenen Gemeinden, in denen sie mit Musik und Tanz die Liebe finden wollen, die ihnen die Gesellschaft versagt. Pop-Ikonen wie Cat Stevens verkünden einen Islam, der mit dem Islam der Medien nichts zu tun haben soll. Vor dreißig Jahren entdeckte Bhagwan die Diskothek als Kirche: Tanzen als Gottesdienst. Tanz als Versöhnung von Körper und Geist.
Tanz gerät erneut in Verdacht, ein Zeichen für Sekten zu sein, die ihre Schäfchen dort abholen, wo sie sich in einem gewissen Alter am liebsten aufhalten.
In der Antike gab es Tanz oberirdisch zur offiziellen Feier der Götter. Unterirdisch in den Höhlen von Eleusis und an vielen geheimen Kultstätten hieß das Zauberwort Initiation. Man spielte Musik, die im Gestein widerhallte, zauberte mit Fackeln Licht- und Schattenspiele, genoss Rauschgifte wie zum Beispiel das Mutterkorn. Die Höhlen lagen in sicherer Entfernung, waren bewacht von einem Türsteher. Ist die Diskothek etwas anderes? In den zahllosen Tanzkulten der geschlechtlich gemeinten Initiation «dienten» sie erotischen Göttern wie Adonis, Dionysos, ...
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Philippe Saire ist ein wandelnder Widerspruch. Zusammen mit Gilles Jobin und Guilherme Botelho zählt er zu den bekanntesten Schweizer Choreografen. Doch wenn man ihn über seinen Weg zum Tanz befragt, erklärt er gelassen, dass er genauso gut Filmemacher hätte werden können; es sei nur einer Reihe von Begegnungen und überhaupt den Umständen zu verdanken, dass er sich...
Olivier Dubois spielt Cäsar. Eine kurze Toga lässt den halben Brustkorb über dem wohlgerundeten Leib frei. In der einen Hand liegt eine Traube, deren Früchte er, während er unruhig und überdrüssig über die Bühne streift, ab und an hastig in den Mund stopft. Er eilt ein paar der Stufen hinauf, bleibt sinnend, trauben-stopfend stehen wie ein äsendes Tier, hüpft dann...
Der ungarische Religionswissenschaftler Mircea Eliade veröffentlichte 1957 die Schrift «Das Heilige und das Profane». Er fragte: Wie kann ein x-beliebiger Raum «heilig» werden? Man kann ein Schloss davor hängen. Dann ist der Raum privat. Man kann beschließen, dass einen Raum nur eine winzige Minderheit betreten darf. So erhält man einen Altarraum oder eine Bühne....
