Grace Ellen Barkey: «The Porcelain Project»
Es gibt Tänzer, die sind Schauspieler, zerkauen schmatzend die Sprache: «I am the King with one leg on the ground, my other leg is floating towards the planet earth.» Eine gefühlte Stunde später rammt eine Ballerina, Tijen Lawton, ihren vertikalen Spagat so gestreckt in den Himmel und damit tief in die Erde, auf so spitzer Spitze, zeigt dazu mit dem freien Finger auf ihr zerbrechliches Kunstwerk, die Spitze, dass jeder im Publikum den Satz vom Anfang wieder parat hat.
Sie ist die Königin in einer Welt voll spitzer Tänzer, die Porzellannasen tragen, spitz wie das Porzellanglied bei Benoît Gob, dem Sprachzerkauer. Ganz vorsichtig tanzt der unglaublich elegante Misha Downey lauter kühne Variationen, passt auf, dass sein Porzellan zwischen den Beinen nicht in die Brüche geht. Der weiße Phallus ersetzt Viagra und Kondom zugleich. Aber ein Wackler bloß: und Bruch. Porzellan ist wie Ballett. Dauerhaft zerbrechlich.
Der belgische Porzellankünstler Lot Lemm schuf am Brüssler Kaaitheater eine hell klirrende Welt zusammen mit der Needcompany-Choreografin Grace Ellen Barkey. Links ein Tisch mit stapelweise Tassen, die periodisch von einem kleinen scheppernden Erdbeben heimgesucht werden. ...
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