Global Groove

«Global Groove. Kunst, Tanz, Performance und Protest»

Eigentlich bräuchte es einen Warnhinweis am Eingang: «Diese Ausstellung könnte Ihre political correctness verletzen.» In einer Zeit, in der weiße Bio-Deutsche sich keine Dreadlocks wachsen lassen dürfen, im Karneval bitte keine ethnischen Kostüme getragen werden und die Lyrik einer schwarzen Autorin auch nur von Schwarzen übersetzt werden sollte, ist «Global Groove» im Museum Folkwang in Essen die pure Provokation: Da posiert die US-Choreografin Ruth St. Denis auf Schwarz-Weiß-Fotos im indisch anmutenden Glitzerstein-Kostüm und mit Yoga und Pseudo-Tempeltanz – sehr anmutig.

Allerdings hatte sie zu diesem Zeitpunkt den Orient noch nie bereist und sich stattdessen ein Fantasie-Indien kreiert. Auf einem Monitor flimmert ein alter Film von Trancetänzen auf Bali, mit extrem ekstatischen, sich exponierenden Tänzerinnen. Dazu der Off-Kommentar der amerikanischen Anthropologin Margaret Mead: Der Westen hat hier die Deutungsmacht. Oder: In Vitrinen ruhen drei Kopf-Plastiken von Auguste Rodin, die die Japanerin Madame Hanako mit schmerzverzerrtem Gesicht zeigen. Hanako war als «Selbstmord-Virtuosin» gewissermaßen das It-Girl des frühen 20. Jahrhunderts, Stadtgespräch, wo auch immer sie ihren ...

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Tanz Oktober 2021
Rubrik: Medien, Seite 48
von Nicole Strecker

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