Gleich neben Köln
(dieser Stadt der Tanzruinen) liegt ein weites Land, das berühmt ist für seine Polder, zu Deutsch: flache Wiesen, flache Hierarchien, flache Argumente. Wie dieses hier: Die Niederlande brauchen kein Nationalballett. Jedenfalls nicht in Zeiten der Globalisierung, in denen man sich genauso gut auch einen tourenden Klassiker wie «Schwanensee» aus Russland kaufen kann. Es klingt, als hätte man dieses Argument direkt aus Köln importiert (jener Stadt, die heute noch ein Tanzarchiv besitzt). Dort wurde sehr erfolgreich die kommunale Kompanie durch ein paar Gastarbeiter ersetzt.
Bei den Niederländern kommt erschwerend hinzu, dass die Diskussion ums Nationalballett ihre nationalistischen Gefühle in einer Zeit strapaziert, in der die eigene, öffentlich sichtbare Identität unter die Guillotine der Haushaltskonsolidierung gerät. Um ein ganzes Fünftel – ziemlich genau die menschliche Kopfproportion – wird sie gekürzt. Unser Kollege Sander Hiskemuller zeigt, wie das wehtut (Seite 60).
Natürlich muss Kultur einen Schutzraum suchen. Sie könnte dazu, wie bei uns, tüchtig auf den Neoliberalismus schimpfen und artig Solidarität verlangen. Aber davon will das Gros der Niederländer gar nichts wissen. ...
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