Genderless

Der K-Pop propagiert eine Stilrevolution. Was dahinter steckt, beobachtet Thomas Hahn

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«Wer bin ich, die Frage stell’ ich mir mein ganzes Leben schon. Und bis ans Lebensende wird man kaum die Antwort finden. Könnten ein paar Wörter einem wie mir die Antwort geben, hätte Gott kaum all‘ diese Schönheiten geschaffen. … Ich habe mich selbst erschaffen, um für mich selbst zu sprechen … das lächelnde Ich, und manchmal das weinende … Persona – Zum Teufel, wer bin ich?»

So rappt RM von BTS in dem Song «Persona». Der Kultsänger, in dessen Pass der Name Kim Nam-joon steht, spricht aus, worum es geht: Selbstverwirklichung.

Nicht einfach in einem Land, das sich einerseits in Rekordzeit auf Spitzenplätze in Branchen wie Elektronik, Autos, Film, Kosmetik, Mode und Pop-Business katapultierte, das jung und hungrig nach Zukunft giert. Obwohl gleichzeitig die Großeltern der jungen Popkonsumenten weiter mitbestimmen, wenn es um Erziehung, Hierarchien und Normen geht – und zwar auf sehr konservative Art. Bei den Präsidentschaftswahlen im April haben sie sich einmal mehr durchgesetzt und dem Land einen Schwenk nach rechts aufgezwungen. Die LGBTQIA+-Bewegung, die in Südkorea ohnehin einen schweren Stand hat, wird weiter leiden müssen. Die von Anfang an als Exportware gedachte K-Pop-Szene ...

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Tanz Jahrbuch 2022
Rubrik: Vermessung des Tanzes, Seite 78
von Thomas Hahn

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