«Giselle ou les wilis»
Wo ist die echte «Giselle»? 1841 wurde das Ballett in Paris uraufgeführt und erfuhr seine erste Veränderung schon ein Jahr später in St. Petersburg. Dort wurde es mehrfach «rekonstruiert», und es geschah, was den Leiter des Deutschen Tanzarchivs Köln, Frank-Manuel Peter, nicht wundert, dass die Choreografie der «Giselle» dem Geschmack der Zeit angepasst wurde. Nicht schlimm, denn das passierte schon während der Entstehung des Balletts.
Bei Albrecht sollte es sich ursprünglich um einen fiktiven Herzog Albrecht von Schlesien handeln, der in ersten Entwürfen von Théophile Gautier aus welchen Gründen auch immer in Thüringen lebt, irgendwo im «Slawischen», jedenfalls von Paris aus gesehen jenseits der Rheingrenze.
Dabei gilt der Rhein selbst als Urort der Romantik, so wie ihn Heinrich Heine beschrieb: Das Dorf der Giselle liegt darum bald nicht mehr hinter den Bergen, sondern am Mittelrhein unweit der Loreley, wo die Wilis, diese weiblichen Untoten, nachts Jagd auf die Männer machen. Loreley? Sie ähnelt verblüffend den berühmten Sirenen bei Odysseus und Orpheus. So wird der Sangesmythos in einen Tanzmythos umgetopft, in einem neuerlichen Original, von dem keiner recht weiß, wo man es ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von tanz? Loggen Sie sich hier ein
- Alle tanz-Artikel online lesen
- Zugang zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von tanz
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Noch ist sie Gruppentänzerin im Hamburg Ballett. Im verflixten siebten Jahr startete die bühnenpräsente 27-jährige Brasilianerin durch. Sie profilierte sich in mehreren Solopartien, weckte bereits in der ersten Spielzeit-Premiere als Mädchen in John Neumeiers Choreografie von Maurice Ravels «Daphnis und Chloë» Aufmerksamkeit und Neugier. Mariana Zanotto gab der...
Auf der Bühne stellen Sie ja nicht gerade die geflügelten Waldfeen dar, sondern sind von Kopf bis Fuß in Folie eingewickelt. Warum?
François Chaignaud: Es ging uns anfänglich auch gar nicht darum, ein Stück über die Sylphiden zu machen. Der Titel ergab sich während der Arbeit. Der Ausgangspunkt war eine Entdeckung, die uns faszinierte. Wir begannen gerade eine...
Lang sind die Zeiten her, dass eine Angela Dauber oder ein Edmund Gleede John Neumeier inhaltlich so stringente wie bahnbrechende Klassikerneudeutungen wie «Dornröschen» oder «Illusionen – wie Schwanensee» bescherten. Heute glauben die forschen Jungchoreografen, ob sie Terence Kohler oder Christian Spuck heißen, ohne dominierenden Dramaturgen auskommen zu können....
