Gilles Jobin
Der Westschweizer hat ein Computerprogramm namens «Text to Speech» gefunden, das ihm erlaubt, Texte einzuspeichern, die dann in beliebiger Sprache und Stimmlage aus den Boxen schallen. er packt ein Thema dazu, das jedem Staatsbürger der Welt vertraut ist: Religionskrieg und Terrorismus. Neu ist auch der Gag nicht: Stellt euch vor, Krieg fände bei euch statt, in der Schweiz! Aus Bagdad wird Bern. Die Besatzer Helvetiens sind Amerikaner. Die Alpen respektieren immer noch nicht die Menschenrechte. Protestanten proben den Aufstand. Dazu läuten Kuhglocken.
Sechs Interpreten sitzen anfangs an ihren Computern. Wir spüren eine Spannung. Die Verkabelten auf der Bühne sind Redakteure, die unsere Weltwahrnehmung bestimmen. Ihre schamanische Macht spiegelt sich in schwerelosen Bewegungen. Sung-Im Kweon steckt sich Pfeile wie St. Sebastian durch die Unterwäsche bis Schmerz, Animalität und göttliches Mysterium sie durchdringen. Ein Leidensgenosse übt sich im Engtanz mit einer Lautsprecherbox.
Lange Bänder durchspannen die Bühne: ein Spinnennetz, ein Käfig ohne Mauern, die innere Gefangenschaft zwingt den Körper zu Boden. Ein Medizinmann befreit das halbgöttliche Medium von seinen Pfeilen. ...
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1945 lautete das Verdikt der Kunstkritik, Bacon male «freaks and monsters»; grundsätzlich abgekommen ist man von der Lesart nicht. Immer noch unterstellt man dem Maler die – obzwar exzellente – Darstellung der «gequälten Kreatur», und «exzessiver Gewalttätigkeit». Und übersieht beinah, dass die menschliche, fleischliche Existenz, die er einfängt, nicht nur «ein...
Die Tanzfabrik in der Möckernstraße in Berlin ist schon lange nicht mehr allein. Aber sie ist immer noch nicht nur eins von vielen Studios in der Hauptstadt. Sondern sorgt etwa zusammen mit der fabrik Potsdam – Schulter an Schulter – dafür, dass junge Choreografen Platz für ihre Arbeiten finden. Aus dem alten Kollektiv der basisdemokratischen Einstimmigkeit, einem...
Fabrice Mazliah «Hue»
Den ganzen Weg vom Vorplatz draußen bis an Ende der Bühne mussten die Zuschauer gehen, bevor sie an der schmalen Seite des Bockenheimer Depots in Frankfurt am Main auf der Tribüne Platz nahmen. Der Raum war leer geräumt, was die kirchenschiffähnliche Architektur des ehemaligen Straßenbahndepots besonders hervorhob. Hatte man sich hingesetzt,...
