Geschichte wird gemacht
Wie lässt sich die Geschichte des Tanzes erzählen, sodass sie lebendig und fassbar wird? Genügen wirklich Texte, Notationen, Videoaufzeichnungen, Fotos? Kaum, wenn man davon ausgeht, dass der Tanz sich nur durch das «Wesentliche» vermitteln kann: den bewegten Körper selbst. Also brauche ich, wenn ich die Geschichte des Tanzes den Lebenden lebendig vermitteln will, einen Tanz-Körper.
Ich fand ihn 2006 in dem Schweizer Tänzer Foofwa d’Imobilité, mit dem ich in einer Reihe von vier Abenden erstmals im Theaterhaus Gessnerallee in Zürich eine Lecture Performance begann, die die Tanzgeschichte sozusagen am lebenden Objekt darbot. Text- und physische Präsentation sollten sich dabei gleichwertig ergänzen und ineinandergreifen.
Davor stand die Frage, weshalb man die Geschichte des Tanzes überhaupt erzählen soll. Pragmatisch gesprochen ist sie nötig, weil Zuschauende angesichts von Tanzvorstellungen oft maßlos überfordert reagieren. Diese Überforderung rührt mit daher, dass das Publikum die Tradition dieser Kunstform und ihre verschiedenen Spielarten kaum oder gar nicht kennt. Dabei handelt es sich nicht einmal um eine sonderlich lange Geschichte: Von der Klassik bis zum zeitgenössischen ...
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