genf
Wie wir eine Performance erleben, hängt auch vom äußeren Kontext ab. So kann ein und dieselbe Vorstellung ganz anders wahrgenommen werden je nachdem, ob wir zuvor unter Kristalllüstern über einen roten Plüschteppich zu unseren gepolsterten Sitzen gewandelt sind oder das Bühnengeschehen in der kargen Ästhetik einer stillgelegten Fabrikhalle von einer harten Bank aus betrachten.
Thomas Hauerts Performance «(sweet) (bitter)» hat sich unlängst in Dublin in unterschiedlichen Aufführungssituationen behauptet, auf der Straße ebenso wie in Theaterhäusern.
Es hat sich gezeigt, dass Hauerts Stück unter freiem Himmel keineswegs den Charakter einer «Light»-Version annimmt, sondern den Kern seiner künstlerischen Botschaft äußerst wirkungsvoll zum Ausdruck bringt. Einen Kontext ganz anderer Art stiftete in Dublin außerdem der 150. Geburtstag des Dichters und Dramatikers William Butler Yeats, dem die irische Hauptstadt allerlei Veranstaltungen widmete und dessen Gedanken ihren Ursprung nicht selten im Körperlichen haben: Der Dichter spricht von einem umfassenderen Wissen, das tief im Knochenmark verankert ist. Auch Thomas Hauert erkundet mit seiner Choreografie die Fähigkeit des Körpers ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von tanz? Loggen Sie sich hier ein
- Alle tanz-Artikel online lesen
- Zugang zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von tanz
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Tanz November 2015
Rubrik: kalender und kritik, Seite 50
von Michael Saever
Seit dieser Spielzeit bekleidet er den Posten des Ballettdirektors und Chefchoreografen an der Oper Graz, in der Nachfolge von Darrel Toulon. Es ist der Morgen am Tag seiner ersten Premiere. Mit «Der Liebe Schlaf», einer «Dornröschen»-Adaption für sein 17-köpfiges Ensemble, wird sich Jörg Weinöhl am Abend dem Publikum in der Steiermark vorstellen. Derzeit sind es...
An einem stürmischen Tag im Jahr 2002 steht der Regierende Bürgermeister von Berlin, Klaus Wowereit, auf dem Dach des neu erbauten Hauses der Universal Group an der Spree und gibt die Parole aus: «Von jetzt an gilt das Ziel, dass wir Europas Musikhauptstadt werden.» Tim Renner, seinerzeit Chef der Universal-Filiale, steht daneben und denkt: «Träum weiter, Junge!»....
In jedem größeren Ort mindestens eine kunsthistorisch bedeutsame Kirche, in jeder halbwegs traditionsbewussten Stadt ein eminentes Museum, und oft genug selbst in der kleinsten Kapelle am Wegesrand noch ein Fresko, das man gesehen haben muss: Italien ist ein Land der Kultur, eine Kulturmarke. Und trägt schwer daran. Seit über zwei Jahrzehnten ist klar, dass der...
