straßburg
Rheinabwärts nähert sich Stephan Thoss seinem nächsten Direktorenposten, den er 2016 in Mannheim antritt. Nach einer Uraufführung in Basel studierte er zwei seiner Werke beim Ballet du Rhin ein, wo Tanzdirektor Ivan Cavallari in den zwei Jahren seines Wirkens die eher an Paris orientierte, akademisch-einheitliche Kompanie seines Vorgängers Bertrand d’At in eine starke, selbstbewusste Gruppe prägnanter Persönlichkeiten verwandelt hat.
«La Chambre noire» stammt von Thoss‘ letzter Station in Wiesbaden und dringt in die «schwarze Kammer» im Innersten unseres Kopfes vor.
Aus einem stark bevölkerten, niedrigen Raum verschwinden all die herumirrenden Individuen, die wirren Gedanken oder losen Atome, unmerklich durch die Wand, sie osmotisieren sozusagen nur einer bleibt in der schlammfarbenen Knitterstruktur hängen, schafft es einfach nicht hinaus aus dem unscharf umgrenzten schwarzen Loch. Zarte Klavierlinien verlieren sich im Knirschen des Weltengebälks, ein dumpf hallender Rhythmus setzt das autistische In-sich-hinein-Lauschen mit dem Pulsieren der Galaxien gleich, das Stück spiegelt den Innenraum im Außenraum. Weit hinaus werfen die acht Tänzer ihre Arme und Beine, fast jede Bewegung ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von tanz? Loggen Sie sich hier ein
- Alle tanz-Artikel online lesen
- Zugang zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von tanz
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Tanz November 2015
Rubrik: kalender und kritik, Seite 46
von Angela Reinhardt
im dezember: william forsythe
ist zurück. Die Stadt Frankfurt ehrt den Choreografen bis zum 31. Januar mit der Ausstellung «The Fact of Matter» im Museum für Moderne Kunst. Genau 30 Jahre lang wirkte Forsythe stilbildend in der Main-Metropole. Zuletzt verließ er seine Kompanie, die nun als Dresden Frankfurt Dance Company mit Jacopo Godani eigene Wege geht. Neue...
Ende Dezember verlässt Sylvie Guillem die Bühne. Mit ihrem Abschiedsprogramm «Life in Progress» ist sie rund um den Globus getourt, für das Finale hat sie Japan auserkoren. Nicht umsonst. Dem Rest der Welt sagt Guillem im Rahmen des Farewell-Abends «Tschüss» mit Mats Eks Solo «Bye», für Nippon aber hat sie noch eine besondere Zugabe: Als Gaststar in Béjarts...
Die nette Mette. Sie verdreht einem alles, den Kopf und das Ballett. «Die sieben Todsünden» von George Balanchine, Bertolt Brecht und Kurt Weill geraten bei ihr exakt zum Gegenteil: «7 Pleasures» heißt ihr neues Werk. Aus der biblischen Droh-Erziehung des Menschen gebiert sie die Lust an der Freiheit. Ihre Tänzer sind zwölf splitternackte Apostel, die neunzig...
