Gender ohne Sex

Russland gilt als Stammland der Ballettklassik. Seit einem Vierteljahrhundert befindet sich dort auch der zeitgenössische Tanz im Aufschwung. Er zeichnet vor allem den Wandel der Geschlechterbilder nach

Tanz - Logo

Zeitgenössischer Tanz in Russland? Nicht wenige werden denken: Gibt‘s doch gar nicht! Denn was die Tanzbühne betrifft, dominiert das Ballett die Szene wie das Image der Kunst weit über die nationalen Grenzen hinaus. Tatsächlich kann die Danse d‘école auf eine (zaristisch veredelte) Tradition von mehreren Jahrhunderten zurückblicken, während der zeitgenössische Tanz noch fast in den Kinderschuhen steckt. Deshalb gibt es auch so gut wie keine Forschung oder Literatur über ihn.



Die Gründe für sein Schattendasein liegen freilich auch in der rund 70 Jahre währenden Sowjet-Diktatur. Die lange Monokratie der marxistisch-leninistischen Ideologie hat vielen Menschen das Vergnügen am Nachdenken über Gesellschaft ausgetrieben. Zeitgenössischer Tanz aber wurzelt, wie der Name sagt, in der Gegenwart, entsprechend muss seine theoretische Verortung und Begleitung profiliert sein. Daran hapert es, weil russische Autoren bis heute ästhetische wie soziologisch fundierte Diskurse über die zeitgenössische, gesellschaftsrelevante Kunst und Kultur ihres Landes scheuen.

Junge Wilde

Die ersten zeitgenössischen russischen Tanzkompanien traten im Gefolge der Perestroika Ende der 1980er-, Anfang der ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von tanz? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle tanz-Artikel online lesen
  • Zugang zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von tanz

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

tanz_02_2017

Tanz Februar 2017
Rubrik: Produktionen, Seite 14
von Leila Guchmazova

Vergriffen
Weitere Beiträge
Winterlicht

Der berufliche Tanz ist nicht unbedingt der private. Wenn ich nach einer Vorstellung die Möglichkeit zum Tanzen vorfinde, denke ich manchmal: «Danke, hab ja schon.» Als noch die Sonne schien, verspürte ich auf einer Marathonveranstaltung beim Dortmunder Festival «Favoriten» nach zwölf Stunden Dauertanz nur noch einen Wunsch: mit dem Rollstuhl an eine Bar gebracht...

Stuttgart

Na also, geht doch! Man braucht nicht viel Fantasie, um sich ähnliche Reaktionen auf die Vergabe des Preises vorzustellen, mit dem die Stadt Stuttgart und das Land Baden-Württemberg 2017 zum zweiten Mal freie Tanz- und Theaterensembles fördern. Denn obwohl die freie Szene in der Landeshauptstadt seit Jahren um eine eigene Spielstätte und die damit verbundene...

Reader

Kollaboration? War das Thema nicht schon im letzten Jahrzehnt durch? Fragt die Tanzdramaturgin Bojana Cvejic. Reden wir etwa schon wieder von Derrida, Agamben, Rancière? Fragt die Theaterwissenschaftlerin Christel Weiler. Diesmal nicht. 2013 beendete der Putsch in Ägypten den Arabischen Frühling. Die Tanzkuratoren Silke Bake und Peter Stamer fragten in Kairo nach...