Winterlicht
Der berufliche Tanz ist nicht unbedingt der private. Wenn ich nach einer Vorstellung die Möglichkeit zum Tanzen vorfinde, denke ich manchmal: «Danke, hab ja schon.» Als noch die Sonne schien, verspürte ich auf einer Marathonveranstaltung beim Dortmunder Festival «Favoriten» nach zwölf Stunden Dauertanz nur noch einen Wunsch: mit dem Rollstuhl an eine Bar gebracht zu werden. Dann habe ich aber doch noch bis in die frühen Morgenstunden «privat» weitergetanzt. Vielleicht hat der Licht-Level der helleren Jahreszeit meine Energiereserven aktiviert.
Momentan aber laufen bei vielen von uns die Akkus leer, wir schlagen uns saisonal bedingt im Standby-Modus durch. Winterlicht heißt, als Tänzer mit sich zu kämpfen, immer zwischen emotionaler Vereinnahmung und Selbstvorwürfen zu schwanken. Alles erscheint dunkelgrau und wirkt wie ein hochgradig herausfordernder bis zermürbender Hindernis-Parcours. Das löst immerhin eine zärtliche «Man-müsste»-Melancholie in einem aus, ebenso allerdings die Gewissheit, an allen guten Vorsätzen zu scheitern.
Jetzt heißt es, mit sich selber in Kontakt zu treten, ohne jedoch durch allzu irritierendes Verhalten unangenehm aufzufallen. Hier ein paar Übungen, ...
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Tanz Februar 2017
Rubrik: Editorial, Seite 1
von Martin Clausen, Schauspieler, Performer, Regisseur
Ein heulendes Häuflein Elend kauert da in der Ecke. Die private Kamera dokumentiert diesen wie so viele andere, glückliche und unglückliche Momente. Hier ist es die Mutter, die Tränen vergießt, weil sie den gerade mal 13-Jährigen verlassen muss. Das Ausnahmetalent wird allein in London bleiben, an der Royal Ballet School auf Anhieb drei Klassen überspringen, später...
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Eine Woche vor unserem Interview sah ich Lauren Cuthbertson als Zuckerfee in Sir Peter Wrights berühmter «Nussknacker»-Produktion. Im Anschluss an ihre Solo-Variation brach das Londoner Premierenpublikum in donnernde, lang anhaltende Beifallsstürme aus. In diesem Augenblick beschlich mich der Eindruck, dass Lauren Cuthbertson nunmehr in den Zenit ihrer...
