Frühlingsop(f)er
«Le sacre du printemps» fegt durch die choreografische Landschaft wie ein Schneeball, der zur Lawine anwächst. Von Lateinamerika bis Asien und Afrika begegnet man Choreografen, die erzählen, wie sie einst ein Video von Pina Bauschs «Frühlingsopfer» sahen und dann beschlossen, ihr Leben dem Tanz zu widmen. Einen ähnlich prägenden Einfluss hat sonst wohl nur Marcel Marceau bei den Mimen hinterlassen. Wer von Theater oder anderen Sparten zur inoffiziellen Bausch-Sekte wechselt und seinen «Sacre» wohl interpretiert hat, gehört bald zu den interessanteren Vertretern seiner Zunft.
Garantiert.
Aber wieso «Sacre»? Ist es der Hauch von Skandal, das Monströse, das Tier im Menschen? Vor einem Jahrhundert ging man noch auf die Kirmes, um sich zu vergewissern, dass das Mons-ter in der Bartfrau, der Negerin und im Missgebildeten schlummert. Heute leben sie im Fernsehen als Kannibalen, Amokläufer und drogenabhängige Stars. Periodisch werden Ängs-te vor den eigenen Abgründen kollektiv auf Behinderte, Einwanderer oder andere Minderheiten abgewälzt. Legt ein Künstler aber den Kunstfreunden nahe, das Monster doch in sich selbst zu suchen, kommt es zu aggressiven Reaktionen der Zuschauer, oder es ...
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Am Strand zieht man Spuren durch den Sand, wagt Riesensprünge, spürt den Bewegungen eines Tintenfischs nach, läuft mit den Wellen oder lässt sich die Sonne auf den Bauch scheinen. Die Choreografin Annerose Schmidt arbeitete mit einer Klasse bei «Tanz an Bayerns Grundschulen – Kids on Stage» zum Thema Strand und Meer. Das 14-tägige Sommerprojekt veranstaltete «Tanz...
Mit flügelartig ausgebreiteten Armen springen die Tänzer hoch ins Licht. Geblendete Falter, gefangene Freiheitssucher, eingeschnürt in gefältelte Korsette wie fahle Zwangsjacken. Itzik Galili erzählt als Gastchoreograf des Balletts Kiel seine «Different Stories» vornehmlich im Dunkeln. Weiße Scheinwerferstrahlen von schräg oben oder von der Seite, ausgeklügelt...
Editorials sind verräterisch, gerade wenn sie in die erste Nummer einer neuen Zeitschrift einführen. Wer Zeitschriften gründet, so zeigt es sich bei einer Rückschau auf die Tanzzeitschriften der Vergangenheit (siehe S. 52), reagiert oft programmatisch auf das, was gerade fehlt, auf einen als akut empfundenen Mangel an Wissen, Diskussion, kritischer Beschreibung...
