Libor Vaculík: «Faust»
So könnte auch eine Aufführung der Prager Laterna Magica anfangen. Ein gealterter Clown Ferdinand mit der Geige tritt vor den roten Samtvorhang eines verschlissenen Cabarets und kratzt ein paar Töne. Nur handelt es sich hier im Ständetheater um die Uraufführung eines Faust-Balletts.
Der Clown ist Faust. Per Vertrag mit dem alerten Direktor dieses kleinen Welttheaters wird er zu Feustel, jung und schön, ein Meister auf der Teufelsgeige, dem Mann und Frau so gern erliegen. Eine ist Gretchen, die blonde Schönheit aus dem Ghetto, die sich zu Klezmer-Klängen wiegt.
Klar geht das nicht gut. Es war ein Teufelspakt, den der Künstler mit dem Direktor des Schmierentheaters schloss. Die Schmiere wird braun, der Chef ist Adolf Hitler, sein Geiger reckt den Arm. Dafür darf er Margarethe auf allen Stationen ihres Elends bis an die Gaskammer in Auschwitz-Birkenau folgen und sie noch im Schatten des Todes schwängern. Nur retten kann er sie nicht. Sie ermordet ihr Kind, um es vor den Mord-exzessen der nationalsozialistischen Tänzer zu schonen.
Dann ist der Krieg vorbei. Feustel hat überlebt, Margarethe und die Geige haben es auch. Das Cabaret schmückt sich mit Hammer und Sichel statt Hakenkreuzen. ...
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