Tanzplattform
Es muss schon Mitternacht gewesen sein, als eine Tanzveranstalterin sich ein Herz fasste, ein DIN-A4-Papier aus der Tasche zog und es ehrfürchtig unter dem Tisch hergab. «Das sind sie», flüsterte sie. Der Zettel notierte elf Produktionen und damals 48 Namen. Diese Produktionen seien zur Tanzplattform 2010 eingeladen. Die Namen, die noch auf 50 erhöht würden, seien die jener Choreografen, die man in Deutschland für die Besten ihrer Kunst halte – ausgeknobelt in einer intimen Jurysitzung.
Wurde bewusst schon Monate vor dem Ereignis diese Liste unter der Hand lanciert, um eine große Diskussion zu entfachen? Wer gehört nicht mehr dazu? Wer steht stattdessen drauf? Warum die, aber nicht der?
Schon am nächsten Tag, um Gewissheit über die Echtheit dieses Papiers zu erhalten, schien es, als wüsste jeder längst Bescheid in einer Nahrungskette, deren Kost aus Tränen, Wut und Empörung ebenso wie aus Freude, Genugtuung und Feierlaune besteht. Eine bekannte Kritikerin aus Düsseldorf und Frankfurt, Melanie Suchy, ein Dramaturg, Kurator, Choreograf und Tänzer in Personalunion, Jochen Roller, und die Veranstalter der Tafelhalle im KunstKulturQuartier in Nürnberg, Gerti Köhn und Michael Bader, ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von tanz? Loggen Sie sich hier ein
- Alle tanz-Artikel online lesen
- Zugang zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von tanz
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Der Preis: 1500 Euro. Damit ist es wohl eines der teuersten Ballettbücher aller Zeiten. Ein «Band mit exklusivem Cover in einer handgearbeiteten, mit Buchleinen bezogenen und rotem Pergament ummantelten Kassette», heißt es im Verlagsprospekt, inklusive Skia-Photography-Print, von beiden, Dieter Blum und Vladimir Malakhov, handsigniert. Die Auflage ist limitiert...
Mit flügelartig ausgebreiteten Armen springen die Tänzer hoch ins Licht. Geblendete Falter, gefangene Freiheitssucher, eingeschnürt in gefältelte Korsette wie fahle Zwangsjacken. Itzik Galili erzählt als Gastchoreograf des Balletts Kiel seine «Different Stories» vornehmlich im Dunkeln. Weiße Scheinwerferstrahlen von schräg oben oder von der Seite, ausgeklügelt...
In London ist einmal im Jahr Flamenco-Olympiade. Die besten Tänzerinnen heißen dort nach wie vor Eva Yerbabuena und María Pagés, dicht gefolgt von Rafaela Carrasco und dem Nuevo Ballet Español. So hoch liegt die Latte für das Highlight danach: die Gala am Ende des «Flamenco Festival London 2010» (13.–27. Februar) am Sadler's Wells Theatre: Hier tritt Belén López...
