Tanzplattform
Es muss schon Mitternacht gewesen sein, als eine Tanzveranstalterin sich ein Herz fasste, ein DIN-A4-Papier aus der Tasche zog und es ehrfürchtig unter dem Tisch hergab. «Das sind sie», flüsterte sie. Der Zettel notierte elf Produktionen und damals 48 Namen. Diese Produktionen seien zur Tanzplattform 2010 eingeladen. Die Namen, die noch auf 50 erhöht würden, seien die jener Choreografen, die man in Deutschland für die Besten ihrer Kunst halte – ausgeknobelt in einer intimen Jurysitzung.
Wurde bewusst schon Monate vor dem Ereignis diese Liste unter der Hand lanciert, um eine große Diskussion zu entfachen? Wer gehört nicht mehr dazu? Wer steht stattdessen drauf? Warum die, aber nicht der?
Schon am nächsten Tag, um Gewissheit über die Echtheit dieses Papiers zu erhalten, schien es, als wüsste jeder längst Bescheid in einer Nahrungskette, deren Kost aus Tränen, Wut und Empörung ebenso wie aus Freude, Genugtuung und Feierlaune besteht. Eine bekannte Kritikerin aus Düsseldorf und Frankfurt, Melanie Suchy, ein Dramaturg, Kurator, Choreograf und Tänzer in Personalunion, Jochen Roller, und die Veranstalter der Tafelhalle im KunstKulturQuartier in Nürnberg, Gerti Köhn und Michael Bader, ...
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Melanie Suchy, war es schwer, elf Gruppen zu finden, die Deutschland präsentieren?
Natürlich. Und wenn du die elf endlich hast, denkst du am nächsten Tag, es waren die falschen elf. Aber solche Zweifel sind seriös. Man muss sich nichts vormachen. Die Auswahl jetzt ist das Statement.
Warum elf, in den Jahren davor, 2000 bis 2004, waren es 17 Choreografen, 2006 sogar...
Das Werk stammt vom Komponisten Leonid Desjatnikow, es ist Alexei Ratmanskys letzte Inszenierung in seiner Eigenschaft als künstlerischer Leiter des Bolschoi-Balletts, das er auf eigenen Wunsch verlassen hat (ein seltener Fall in der Geschichte dieses Theaters). Er wird sich nun ganz dem Chroreografieren widmen, in den USA, in Europa und in Russland.
Desjatnikow...
Wer Showtanz zu seinem Beruf macht und die Kunst der Choreografie fürs Haschen der Effekte braucht, sei in Gottes Namen nicht ausgenommen von seiner Liebe. Wer Jesus Christus zum Schluss an den eisernen Vorhang nagelt und im Namen von Klaus Kinski die Kirche ihrer Unchristlichkeit beschuldigt, darf auch gern erklären: «Jesus Christ Superstar» war gestern,...
