Frivole Feen
Kein Laut. Alles schläft. Nur die drei Nornen sind allgegenwärtig, langhaarig, bärtig, in weißen Tutus auf ihren Stühlen sitzend: «Ladies of Time», wie Christian Spuck sie nennt, die im weiteren Verlauf des Abends immer wieder Uhren aus den Taschen ihrer schwarzen Fräcke hervorziehen, um zu wissen, wem die Stunde geschlagen hat. Die hohe Flügeltür öffnet sich, und auf Zehenspitzen schleichen sich König und Königin in den Saal, in dem die Feen ihre Zöglinge hüten.
«Im Feenreich», so liest man mit Erstaunen im Programmheft, «denn dort werden die Säuglinge zu den Menschen gebracht – stehlen sie ausgerechnet jenes Mädchen, das der Obhut der Fee Carabosse anvertraut ist.»
Etwas voreilig, müsste man konsequenterweise sagen. Insofern allerdings verständlich, als das hohe Paar keine Kinder hat und «darüber gar sehr betrübt» ist, wie es in den «Contes du temps passé» von Charles Perrault heißt, die nicht nur dem «Dornröschen»-Ballett als Vorlage dienen. Spezielle Bäder, Gelübde und Geschenke helfen nicht, wie es da weiter heißt, den verständlichen Kinderwunsch zu befriedigen. Bleibt bloß besagter Raub, und der rächt sich bitterlich. Während die anderen Feen wenige Augenblicke später ...
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Tanz November 2020
Rubrik: Produktionen, Seite 6
von Hartmut Regitz
Monika Gintersdorfer, Sie arbeiten mit zwei freien Gruppen: mit La Fleur und, seit fünfzehn Jahren, mit Gintersdorfer/Klaßen. Voraussetzung Ihrer Arbeit ist das Beantragen von Fördergeldern und die Zusammenarbeit mit Koproduzenten. An welche Grenzen stößt dieses Modell? Die Logik von Förderungen ist ihre zeitliche Gebundenheit: Man kann aus Förderungen keine...
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