Fremde Wände: Invitation to dance
Was haben wir in den vergangenen Wochen nicht alles an Küchen, Balkonen, Gärten und Wohnzimmern gesehen – noch nie hat es so viele Home Storys aus der internationalen Tanzszene gegeben wie unter der Corona-Kontaktsperre, die allenthalben Online Classes und Switch Streams (siehe S. 50) erblühen ließ. Von Svetlana Zakharovas Moskauer Luxussalon über Tamara Rojos Londoner Küchentheke bis hin zu Apartments in Brooklyn, Mailand oder Tokio war ein Spektrum geboten, aus dem sich geradezu eine Soziologie des Berufsstandes ableiten ließe.
Aber wohl niemand hat ein derart exklusives Ambiente für seine Mini-Choreografie gefunden wie Wagner Moreira – der sich fürs Shooting mit Regisseur Steffen Krones allerdings auch von daheim entfernen durfte. Der gebürtige Brasilianer, der zur kommenden Spielzeit die Leitung der Tanzsparte der Landesbühnen Sachsen in Radebeul übernimmt, tanzt mit Helena Fernandino nämlich durch ein Juwel der Klassischen Moderne: Haus Schminke in Löbau, in den frühen 1930er-Jahren von Hans Scharoun konzipiert, heute als «Fabrikantenvilla mit teilweise originaler Ausstattung» in der Liste sächsischer Denkmäler verzeichnet. Ein historischer Ort und eine Traumkulisse für die ...
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Tanz Juni 2020
Rubrik: Side Step, Seite 23
von
Sechs Wochen lang hätte die Spring Season im New Yorker Lincoln Center gedauert, bei der großen Gala im Mai posiert sonst alljährlich ein Publicity-trächtiger Auftrieb an Berühmtheiten auf dem roten Teppich. Zunächst sechs Wochen lang, bis mindestens Ende Mai, stellt das New York City Ballet, das seine Tänzer und Angestellten vorerst weiter bezahlt, dafür nun...
Wenn man in den 1980er-Jahren durch San Sebastián im spanischen Baskenland spazierte, konnte man in einem Park oder auf einem kleinen Platz leicht auf einen tanzenden Jungen mit feurigen Augen stoßen, umringt von Zuschauern, die ihn unter der Nachmittagssonne lautstark anfeuerten. Jorge Nozal (Jahrgang 1978) sagt, er sei als Tänzer geboren. Bei den üblicherweise...
Wer kleinere Theater besucht, hat öfter mal das Pech, hinter einer Kamera zu sitzen, die einem während der Vorstellung mit hell strahlendem Monitor zeigt, wie sehr ihr Objektiv geeignet ist, dasselbe ganz anders zu sehen als das eigene trübe Auge. Man ist gezwungen, immer hin und her zu switchen vom Bild der Bühne zum Bild der Kamera – auch wenn man triumphieren...
