Freiräume
Seit einigen Jahren purzeln die Helden unserer Jugend von ihren Thronen. Wir können nicht mehr mit Sicherheit sagen, welcher Intendant, welcher Regisseur, welcher Choreograf seine Macht nicht missbraucht hat, weil die wenigen, deren toxisches Verhalten nach und nach ans Tageslicht kommt, auch die Arbeit der vielen anderen beschädigt, die sich ethisch verhalten. Dabei spielt ein 2018 einsetzender Domino-Effekt eine besondere Rolle, weil sich damals zum ersten Mal Tänzer*innen organisiert und Widerstand geübt haben: Am 12.
September wird von 20 ehemaligen Mitgliedern der Kompanie ein offener Brief «#metoo and Troubleyn/Jan Fabre» auf dem belgischen Online-Portal www.rektoverso.be publiziert. Er beschreibt die zahllosen Übergriffe des Choreografen: Fabre machte die Tänzerinnen mit Drogen gefügig, sprach sie mit Kosenamen an und küsste sie ohne Einwilligung. Er verteilte wechselweise mal Erniedrigung, mal Erhöhung und attackierte die Tänzerinnen mit Bodyshaming.
Auch sexuelle Übergriffe Fabres gehörten zur Tagesordnung. «No Sex, no Solo», lautete der unmissverständliche Spruch des Kompaniechefs. Wer nicht willig war, wer keine Nacktfotos von sich für Fabres Archiv machen lassen ...
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Tanz Jahrbuch 2024
Rubrik: Macht, Seite 34
von Thomas Schmidt
«Der Sturm» ist Shakespeares letztes Werk. Damit verabschiedete sich der große Dichter, gänzlich abgeklärt, von der Bühne. «I‘ll break my staff», lässt er sein mutmaßliches Alter Ego Prospero am Ende resigniert sagen, wenn der seinen Zauberstab zerbricht. Der Magier verzeiht seinen Feinden, befriedet die Welt, dann wählt er den «exit above» – so die Regieanweisung...
Braucht Tanz einen Kanon? Gibt es ihn? Und wenn ja: Wie gehen wir damit um? «Jeder Kanon entsteht mit einem Trennungsstrich. Er erzeugt unweigerlich eine Dialektik zwischen dem, was hineinkommt und dem, was draußen bleibt», so der Soziologe Alois Hahn. Die Archivierung von Performance, von Events und Zeitkünsten ist eine besondere Herausforderung, denn sie wirft...
«ARTE Mediathek – viel mehr als TV», so bewirbt der deutsch-französische Kanal seine Plattform im Netz, und das ist nicht übertrieben. Denn wer die Rubrik «ARTE Concert» anklickt, kann sich viel Tanz anschauen, ohne einen Fuß vor die Tür zu setzen. In Lyon dabei sein, wo Marcos Morau Tschaikowskys «Dornröschen» inszeniert hat. Oder in Genf, wo Sidi Larbi Cherkaoui...
