Freiräume
Seit einigen Jahren purzeln die Helden unserer Jugend von ihren Thronen. Wir können nicht mehr mit Sicherheit sagen, welcher Intendant, welcher Regisseur, welcher Choreograf seine Macht nicht missbraucht hat, weil die wenigen, deren toxisches Verhalten nach und nach ans Tageslicht kommt, auch die Arbeit der vielen anderen beschädigt, die sich ethisch verhalten. Dabei spielt ein 2018 einsetzender Domino-Effekt eine besondere Rolle, weil sich damals zum ersten Mal Tänzer*innen organisiert und Widerstand geübt haben: Am 12.
September wird von 20 ehemaligen Mitgliedern der Kompanie ein offener Brief «#metoo and Troubleyn/Jan Fabre» auf dem belgischen Online-Portal www.rektoverso.be publiziert. Er beschreibt die zahllosen Übergriffe des Choreografen: Fabre machte die Tänzerinnen mit Drogen gefügig, sprach sie mit Kosenamen an und küsste sie ohne Einwilligung. Er verteilte wechselweise mal Erniedrigung, mal Erhöhung und attackierte die Tänzerinnen mit Bodyshaming.
Auch sexuelle Übergriffe Fabres gehörten zur Tagesordnung. «No Sex, no Solo», lautete der unmissverständliche Spruch des Kompaniechefs. Wer nicht willig war, wer keine Nacktfotos von sich für Fabres Archiv machen lassen ...
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Tanz Jahrbuch 2024
Rubrik: Macht, Seite 34
von Thomas Schmidt
Kritiker*in
1) Interessanteste Inszenierung
2) Interessanteste*r Choreograf*in
3) Tänzer*in des Jahres
4) Kompanie des Jahres
5) Online
6) Positiv war ...
7) Bedenklich war …
Andrea Amort Wien
u. a. tanznetz.de
1 «Assembly Hall» von Crystal Pite und Jonathon Young, Kidd Pivot (Vancouver): Gruppen- und Entscheidungsverhalten im Test, herrlich-ironisch mit Ritter-...
Das Konferenzzimmer im Probenhaus am Münchner Platzl, wo das Bayerische Staatsballett gleich neben dem Hofbräuhaus residiert: Osiel Gouneo, Principal der Kompanie, gibt ein Interview am anderen. Ohne die Geduld zu verlieren. Er nimmt sich Zeit, antwortet gerade heraus, legt zwischendurch ein paar Schritte aufs Parkett – eine Stunde vergeht wie im Flug. Und lehrt...
Braucht Tanz einen Kanon? Gibt es ihn? Und wenn ja: Wie gehen wir damit um? «Jeder Kanon entsteht mit einem Trennungsstrich. Er erzeugt unweigerlich eine Dialektik zwischen dem, was hineinkommt und dem, was draußen bleibt», so der Soziologe Alois Hahn. Die Archivierung von Performance, von Events und Zeitkünsten ist eine besondere Herausforderung, denn sie wirft...
